{"id":1785,"date":"2026-03-04T13:28:44","date_gmt":"2026-03-04T13:28:44","guid":{"rendered":"https:\/\/demo.kk60.de\/?p=1785"},"modified":"2026-03-04T13:28:44","modified_gmt":"2026-03-04T13:28:44","slug":"blindtext-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/demo.kk60.de\/?p=1785","title":{"rendered":"Blindtext #2"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kurzinfo zum schnellen Gebrauch<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Blindtext zum Kopieren: Das h\u00f6chste Gut und \u00dcbel, von Cicero<\/strong><\/p>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary>Text auf Deutsch, in Kapiteln unterteilt<\/summary>\n<p><strong>Kap. I.<br>\u00a7 1.<\/strong><br>Ich wusste wohl, mein Brutus, dass, als ich das, was die geistreichsten und gelehrtesten Philosophen in griechischer Sprache behandelt hatten, in lateinischer wiedergab, meine Arbeit mancherlei Tadel finden w\u00fcrde. Denn manchen und nicht gerade ungelehrten M\u00e4nnern gef\u00e4llt das Philosophiren \u00fcberhaupt nicht; andere wollen eine m\u00e4ssige Th\u00e4tigkeit hier wohl gestatten, aber meinen, dass man nicht so grossen Fleiss und so viele M\u00fche darauf verwenden d\u00fcrfe. Auch giebt es M\u00e4nner, die, mit den Schriften der Griechen vertraut, die lateinischen verachten und sagen, dass sie ihre M\u00fche lieber auf jene verwenden m\u00f6gen. Endlich werden auch Einige mich vermuthlich an andere Wissenschaften verweisen, weil diese Art von Schriftstellerei, trotz des Scharfsinns, doch nach ihrer Meinung meiner Person und W\u00fcrde nicht gezieme.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 2.<\/strong><br>Gegen alle Diese m\u00f6chte ich hier Einiges sagen. Den Tadlern der Philosophie habe ich zwar schon hinl\u00e4nglich in jener Schrift geantwortet, worin ich die von Hortensius angeklagte und getadelte Philosophie vertheidigt und gelobt habe, und da diese Schrift sowohl von Dir wie von Allen, denen ich ein Urtheil zutraue, gebilligt worden ist, so bin ich in diesen Arbeiten fortgefahren, damit es nicht scheine, als k\u00f6nnte ich das Interesse f\u00fcr diese Wissenschaft wohl erwecken, aber nicht dauernd erhalten. Wenn dagegen Manche, die dem wohl beistimmen, doch nur eine m\u00e4ssigere Th\u00e4tigkeit hier gestatten wollen, so fordern sie eine M\u00e4ssigung bei einem Gegenstande, wo sie schwer einzuhalten ist, und der, einmal aufgenommen, sich nicht in Schranken halten oder wieder bei Seite legen l\u00e4sst. Vielmehr m\u00f6chte ich dann eher Jenen beitreten, welche die Philosophie \u00fcberhaupt nicht zulassen wollen, als Diesen, die eine Schranke f\u00fcr einen Gegenstand ziehen, der unersch\u00f6pflich ist und um so besser wird, je gr\u00f6sser er wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 3.<\/strong><br>Denn wenn man die Weisheit wirklich erreichen kann, so muss man sie nicht blos erwerben, sondern auch geniessen, und wenn ihre Erwerbung schwer f\u00e4llt, so darf man doch der Erforschung der Wahrheit, bevor man sie erreicht hat, keine Schranke ziehen; auch bleibt die Erm\u00fcdung im Suchen da tadelnswerth, wo der gesuchte Gegenstand der sch\u00f6nste ist. Wenn ich aber an meiner Arbeit mich erg\u00f6tze, so kann doch nur der Neid mich davon abziehen wollen, und wenn ich mich dabei anstrenge, so darf doch ein Dritter fremdem Fleisse keine Grenze ziehen wollen. Wie der gutm\u00fcthige Chremes bei Terenz nicht will, dass sein neuer Nachbar \u00bbgrabe oder pfl\u00fcge oder sonst so etwas thue\u00ab womit er ihn nicht von der Arbeit, sondern nur von der gemeinen K\u00f6rperarbeit abhalten will, so machen sich Manche \u00fcbertriebene Sorge, wenn sie an einer Arbeit Anstoss nehmen, welche mir keineswegs unangenehm ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kap. II.<br>\u00a7 4.<\/strong><br>Schwerer sind Die zufrieden zu stellen, welche die lateinischen B\u00fccher ver\u00e4chtlich von sich weisen; nur wundert es mich bei diesen vor Allem, dass sie in den wichtigsten Dingen an ihrer Muttersprache keine Freude finden und doch die kleinen aus dem Griechischen w\u00f6rtlich in das Lateinische \u00fcbersetzten Geschichtchen nicht ungern lesen. Wer k\u00f6nnte wohl Allem, was den r\u00f6mischen Namen tr\u00e4gt, so feind sein, dass er des Ennius Medea und des Pacuvius Antiopa gering sch\u00e4tzte und zur\u00fcckwiese, w\u00e4hrend er sich an denselben St\u00fccken von Euripides gest\u00e4ndlich erg\u00f6tzt und nur die lateinischen Schriften hasst? Soll ich denn, h\u00f6re ich ihn sagen, des C\u00e4cilius Jugendgenossen und des Terenz Andria lesen und nicht lieber des Menander gleichnamige St\u00fccke?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 5.<\/strong><br>Allein ich kann dem durchaus nicht beistimmen. Wenn auch Sophokles seine Electra noch so sch\u00f6n verfasst hat, so meine ich doch auch die schlechte Uebersetzung des Attilius lesen zu sollen, den Licinius \u00bbeinen Schriftsteller von Eisen, aber doch immer einen Schriftsteller\u00ab nennt, der also gelesen werden soll. Mit unsern Dichtern ganz unbekannt zu sein, ist das Zeichen grosser Tr\u00e4gheit oder verz\u00e4rtelter Vornehmthuerei, und ich kann Niemand f\u00fcr einen ganzen Gelehrten anerkennen, der unsre Schriften gar nicht kennt. Oder soll man zwar das lateinische St\u00fcck: \u00bbO! dass nicht im Haine\u2026.\u00ab lesen, obgleich es auch griechisch vorhanden ist, aber soll es nicht gestattet sein, des Plato Ausf\u00fchrungen \u00fcber das gute und gl\u00fcckliche Leben lateinisch wiederzugeben?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 6.<\/strong><br>Wenn ich nicht blos den Dolmetscher mache, sondern das von Andern Gesagte, so weit ich es billige, vertheidige, mein eigenes Urtheil und meine Darstellungsweise dazu gebe, weshalb sollen da solche Arbeiten von guter Schreibart, die keine blossen Uebersetzungen aus dem Griechischen sind, dennoch den griechischen Schriften nachstehn? Wendet man ein, dass die Griechen dies schon Alles behandelt h\u00e4tten, so darf man dann auch nicht so viel griechische B\u00fccher lesen, als doch geschehen muss. Denn was h\u00e4tte wohl Chrysipp bei den Stoikern \u00fcbergangen? Und trotzdem liest man den Diogenes, Antipater, Mnesarchus, Pan\u00e4tius und viele Andere, insbesondere unsern Freund Posidonius. Und erg\u00f6tzt etwa Theophrast weniger, weil er das behandelt, was schon Aristoteles vor ihm behandelt hat? Stehen etwa die Epikureer davon ab, in ihren Schriften Gegenst\u00e4nde, \u00fcber die sowohl Epikur wie die Alten geschrieben haben, nach ihrem Gutd\u00fcnken zu behandeln? Und wenn die Griechen von den Griechen gelesen werden, sobald sie dieselben Gegenst\u00e4nde in anderer Weise behandeln, weshalb sollten da meine Schriften nicht von den Unsrigen gelesen werden?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kap. III.<br>\u00a7 7.<\/strong><br>Wenn ich auch den Plato oder Aristoteles nur einfach so \u00fcbersetzte, wie unsre Dichter die Fabeln \u00fcbersetzt haben, so w\u00fcrde ich mich um meine Mitb\u00fcrger nicht wenig verdient machen, indem ich sie mit jenen g\u00f6ttlichen M\u00e4nnern bekannt machte. Ich habe es bis jetzt nicht gethan, glaube aber wohl, dass auch dies mir gestattet sein wird. Einzelne Stellen werde ich allerdings, wenn es mir passend scheint, \u00fcbersetzen; insbesondere bei jenen genannten M\u00e4nnern, wenn es sich trifft, dass es passend geschehen kann. Auch Ennius hat dies mit dem Homer, Afranius mit dem Menander so gemacht. Ich werde aber nicht, wie unser Lucilius, gewisse Leser zur\u00fcckweisen. Lebte doch nur jener Persius noch und vor Allem Scipio und Rutilius, deren Urtheil Lucilius scheute und der deshalb nur von den Tarentinern, Consentiern und Sicilianern gelesen sein wollte. Dies war ein zierlicher Ausspruch, wie wir deren auch anderw\u00e4rts bei ihm finden; allein so gelehrt waren diese Leute, um deren Urtheil er sich bem\u00fchte, damals noch nicht, und seine Schriften geh\u00f6ren zu den leichtern, die zwar durch grosse Feinheit, aber weniger durch Gelehrsamkeit sich auszeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 8.<\/strong><br>Welchen Leser sollte ich aber f\u00fcrchten, da ich es wage, diese meine Schrift an Dich zu richten, der Du selbst den Griechen in der Philosophie nichts nachgiebst? Allerdings hast Du mir den Anlass durch Dein mir so werthes Buch \u00fcber die Tugend gegeben, was ich von Dir erhalten habe. Vielleicht haben auch Manche einen Widerwillen gegen lateinische Schriften bekommen, weil sie auf gemeine und widerw\u00e4rtige Sachen gerathen sind, die aus schlechtem Griechisch in noch schlechteres Latein \u00fcbertragen worden sind; hier stimme ich ganz bei, sofern man nur auch griechische Schriften \u00fcber dergleichen nicht lesen mag. Wer wollte dagegen nicht Schriften lesen, die \u00fcber gute Gegenst\u00e4nde in gew\u00e4hlter Sprache ernst und sch\u00f6n abgefasst sind? Er m\u00fcsste denn durchaus als Grieche gelten wollen, wie Albucius, der vom Pr\u00e4tor Sc\u00e4vola zu Athen so begr\u00fcsst wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 9.<\/strong><br>Lucilius hat auch dies sehr sch\u00f6n und durchaus witzig dargestellt, indem er den Sc\u00e4vola vortrefflich sagen l\u00e4sst: \u00bbLieber ein Grieche willst Du, Albucius, heissen und nicht ein R\u00f6mer oder Sabiner, oder ein Fahnentr\u00e4ger und Landsmann der Centurionen Pontius und Tritanus, jener wackern und ausgezeichneten M\u00e4nner? Also begr\u00fcsse ich, der Pr\u00e4tor, Dich in Athen bei Deinem Nahen mit griechischen Worten, wie Du es w\u00fcnschst. chaire! mein Titus! sage ich, und ihr, die Lictoren, die Cohorten und die Menge rufet: chaire Titus! \u2013 Seitdem hasst mich Albucius und ist mir feindlich gesinnt.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 10.<\/strong><br>Aber Sc\u00e4vola hat Recht; ich kann nicht begreifen, woher diese \u00fcberm\u00fcthige Verachtung des Vaterl\u00e4ndischen kommt? Allerdings ist hier nicht der Ort, dies weitl\u00e4ufig auszuf\u00fchren, aber ich meine und habe es oft dargelegt, dass die lateinische Sprache keineswegs so arm ist, wie man immer sagt, sondern dass sie sogar reicher als die Griechische ist. Denn wann hat wohl je mir oder vielmehr den guten Rednern und Dichtern, wenigstens seit der Zeit, wo gute Muster zur Nachahmung vorhanden waren, irgend ein Schmuck der Rede zu deren F\u00fclle und Zierlichkeit gefehlt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kap. IV.<\/strong><br>Wenn ich nun in den gerichtlichen Verhandlungen, M\u00fchen und Gefahren den Posten, auf den das r\u00f6mische Volk mich gestellt hatte, nicht glaube verlassen zu haben, so liegt mir f\u00fcrwahr auch ob, nach M\u00f6glichkeit dahin zu wirken, dass meine Mitb\u00fcrger durch meine Th\u00e4tigkeit, Fleiss und Anstrengungen kenntnissreicher werden, und ich mag mich nicht mit Denen herumstreiten, welche griechische B\u00fccher vorziehen \u2013 sofern sie sie nur wirklich lesen und es nicht blos vorgeben \u2013 vielmehr lieber Denen beistehen, welche die Schriften aus beiden Sprachen benutzen wollen, oder die, wenn sie die Schriften in ihrer eigenen Sprache besitzen, die in der andern nicht sehr vermissen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 11.<\/strong><br>Wenn man aber meint, ich sollte lieber \u00fcber Anderes schreiben, so m\u00f6ge man billig bedenken, dass dies bereits vielfach geschehen ist, und zwar in gr\u00f6sserem Maasse, als von irgend einem der Unsrigen, und dass, wenn ich am Leben bleibe, noch Mehreres nachfolgen wird. Auch wird jeder aufmerksame Leser meiner philosophischen Schriften finden, dass sie mehr als andere des Lesens werth sind. Denn was verdient wohl im Leben gr\u00f6ssere Anstrengung als die Philosophie im Allgemeinen und insbesondere die in dieser Schrift enthaltenen Untersuchungen \u00fcber die h\u00f6chsten und letzten Ziele, auf die alle Entschl\u00fcsse \u00fcber gl\u00fcckliches Leben und rechtes Handeln zu beziehen sind, so wie \u00fcber das H\u00f6chste, was die Natur unter dem Begehrenswerthen verfolgt und unter dem Ueblen flieht? Ueber diese Fragen herrscht unter den einsichtigsten M\u00e4nnern grosse Uneinigkeit; weshalb sollte es deshalb meiner, von Allen anerkannten W\u00fcrde zuwider sein, wenn ich untersuche, was bei allen Aufgaben des Lebens das Beste und Richtigste ist?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 12.<\/strong><br>Ob das Kind einer Sklavin zur Nutzniessung geh\u00f6re, mag unter jenen angesehenen Staatsm\u00e4nnern, wie P. Sc\u00e4vola und Manius Manilius verhandelt werden, und M. Brutus mag hierbei anderer Ansicht sein; dergleichen sind scharfsinnige Untersuchungen, und sie haben ihren Nutzen f\u00fcr den b\u00fcrgerlichen Verkehr; auch lese ich solche und \u00e4hnliche Schriften gern und werde sie auch ferner lesen; aber sollen deshalb die Fragen vernachl\u00e4ssigt werden, welche das ganze Leben befassen? Jene Schriften m\u00f6gen beliebter sein, aber fruchtbringender sind sicherlich diese, wenn ich auch dem Urtheil der Leser hierin nicht vorgreifen mag. Ich glaube wenigstens in dieser Schrift die Frage \u00fcber das h\u00f6chste Gut und Uebel vollst\u00e4ndig behandelt zu haben, und ich habe nach M\u00f6glichkeit darin nicht blos meine eigenen Ansichten, sondern auch die Lehren der verschiedenen philosophischen Schulen dargelegt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kap. V.<br>\u00a7 13.<\/strong><br>Um mit dem Leichtesten zu beginnen, trage ich zun\u00e4chst die Lehre des Epikur vor, die am bekanntesten ist. Du wirst finden, dass ich sie so sorgf\u00e4ltig dargestellt habe, wie es nur die Anh\u00e4nger dieser Lehre selbst verm\u00f6gen; denn ich trachte nach der Wahrheit und nicht blos nach der Widerlegung meiner Gegner. Sehr sorgf\u00e4ltig wurden einmal fr\u00fcher des Epikur\u2019s Ansichten \u00fcber die Lust von L. Torquatus, einem in allen Wissenschaften erfahrenen Manne, vertheidigt. Ich selbst trat ihm damals entgegen, und C. Triarius, ein ernster und kenntnissreicher junger Mann, war bei der Er\u00f6rterung zugegen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 14.<\/strong><br>Beide hatten mich n\u00e4mlich auf meinem Gute bei Cum\u00e4 besucht. Zun\u00e4chst wurde Einiges \u00fcber die Wissenschaften, die von Beiden mit dem h\u00f6chsten Eifer betrieben wurden, verhandelt; dann sagte Torquatus zu mir: Da wir Dich einmal frei von Gesch\u00e4ften angetroffen haben, so m\u00f6chte ich gern wissen, was Du an unserm Epikur, wenn auch nicht hassest, wie es von seinen Gegnern geschieht, aber doch missbilligst. Ich meine, dass nur er allein die Wahrheit erfasst, die Gem\u00fcther der Menschen von den gr\u00f6ssten Irrth\u00fcmern befreit und Alles gelehrt hat, was zu einem guten und gl\u00fccklichen Leben geh\u00f6rt. Ich vermuthe, dass er Dir und unserm Triarius nur deshalb missf\u00e4llt, weil er jenen Schmuck der Rede vernachl\u00e4ssigt hat, der sich bei Plato, Aristoteles und Theophrast findet; wenigstens kann ich kaum glauben, dass seine Lehre selbst Dir nicht f\u00fcr die wahre gelten sollte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 15.<\/strong><br>Da sieh, wie Du Dich irrst, Torquatus, erwiderte ich; sein Styl verletzt mich nicht, denn er dr\u00fcckt vollst\u00e4ndig aus, was er sagen will und in verst\u00e4ndlicher Weise. Wenn ich nun einen Philosophen, der die Beredsamkeit benutzt, nicht verachte, so tadle ich es doch auch nicht, wenn ein Anderer dies nicht thut. Aber Epikur befriedigt mich in der Sache selbst, und zwar bei vielen Punkten nicht. Indess kann ich mich t\u00e4uschen, denn: So viele K\u00f6pfe, so viele Sinne, sagt das Spr\u00fcchwort. \u2013 Weshalb gen\u00fcgt er Dir denn nicht? erwiderte Torquatus; denn ich halte Dich f\u00fcr einen billigen Richter, sofern Du nur seine Ansichten genau kennst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 16.<\/strong><br>Wenn nicht Ph\u00e4drus und Zeno, antwortete ich, die ich Beide geh\u00f6rt habe, mich belegen haben, so d\u00fcrfte ich wohl mit der ganzen Lehre Epikur\u2019s vertraut sein. Ich habe Beide mit unserm Freund Atticus fleissig geh\u00f6rt. Ihren emsigen Fleiss abgerechnet, hatten sie nicht meinen Beifall, aber Atticus bewunderte Beide und liebte den Ph\u00e4drus; deshalb besprachen wir t\u00e4glich das, was wir bei ihnen geh\u00f6rt hatten, und wenn ein Streit entstand, war es nicht, weil ich ihre Lehre nicht verstanden h\u00e4tte, sondern weil ich sie nicht billigte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kap. VI.<br>\u00a717.<\/strong><br>Was k\u00f6nnte dies sein? fragte Torquator; ich m\u00f6chte wohl wissen, was Du nicht billigst. \u2013 Zun\u00e4chst, sagte ich, ist er in seiner Physik, auf die er sich am meisten, einbildet, durchaus ohne eigene Ansichten; er folgt hier dem Demokrit und \u00e4ndert nur wenig und dabei so, dass er das, was er verbessern will, mir zu verschlechtern scheint. Demokrit lehrt, dass die sogenannten Atome, d.h. die wegen ihrer Dichtheit untheilbaren K\u00f6rper in dem unendlichen Leeren, in dem es weder ein Oberstes noch ein Unterstes, weder eine Mitte noch einen Anfang oder Ende gebe, sich so bewegen, dass sie bei ihrem Zusammentreffen aneinander h\u00e4ngen blieben, und dass sich daraus alle vorhandenen und sichtbaren Dinge gebildet haben; auch soll diese Bewegung der Atome keinen Anfang gehabt haben, sondern m\u00fcsse als eine ewige angesehen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 18.<\/strong><br>Epikur schwankt nun zwar da nicht, wo er dem Demokrit folgt; indess muss ich, abgesehen von vielen Punkten, wo ich ihnen nicht beitreten kann, insbesondere tadeln, dass sie, indem es sich bei der Erforschung der Natur doch um Zweierlei handelt, einmal, was der Stoff sei, aus dem alle Dinge gebildet sind, und zweitens, welche Kraft dies bewirke, \u00fcber den Stoff sich wohl ausgelassen, aber die Kraft und wirkende Ursache \u00fcbergangen haben. Dieser Fehler trifft sie Beide; Epikur hat aber noch seine eigenen Gebrechen; er meint, dass jene untheilbaren und dichten K\u00f6rper durch ihr eigenes Gewicht sich in gerader Linie nach unten bewegen, und dass dies die nat\u00fcrliche Bewegung aller K\u00f6rper sei.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 19.<\/strong><br>Allein da, wenn Alles, wie er sagt, in gerader Richtung sich nach unten bewegt, man nicht einsieht, wie ein Atom jemals das andere ber\u00fchren, k\u00f6nne, so stellt dieser scharfsinnige Mann als Verbesserung den Satz auf, dass die Atome ein wenig von der geraden Bewegung abweichen, und zwar so wenig wie m\u00f6glich. Dadurch sollen die Vereinigungen, Verbindungen und Anh\u00e4ngungen der Atome untereinander entstanden sein, aus denen die Welt und alle Dinge in ihr hervorgegangen seien. Allein einmal ist dies Alles nur eine knabenhafte Erfindung, und dann leistet sie nicht einmal das, was sie soll. Denn jene Abweichung bleibt eine willk\u00fcrliche Annahme, da sie ohne Ursache geschehen soll, obgleich einem Naturforscher doch nichts schlechter ansteht, als zu sagen, dass Etwas ohne Ursache geschehe; sodann nimmt er damit ohne Grund den Atomen jene von ihm selbst festgestellte nat\u00fcrliche Bewegung, verm\u00f6ge deren alles Schwere nach unten f\u00e4llt, ohne doch das, wozu ihm diese Erdichtung dienen soll, zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 20.<\/strong><br>Denn wenn alle Atome abweichen, so k\u00f6nnen sie niemals zusammentreffen; wenn aber nur ein Theil abweicht und die andern nach ihrer Schwere sich senkrecht bewegen, so weist er einmal den Atomen damit gleichsam Gebiete zu, wo sie sich entweder gerade oder schief bewegen sollen, und dann kann ein solches verworrenes Zusammentreffen der Atome die Sch\u00f6nheit dieser Welt nicht hervorbringen, ein Bedenken, was auch Demokrit mit trifft. Sodann darf kein Naturforscher lehren, dass es ein Kleinstes gebe; h\u00e4tte Epikur lieber sich die Geometrie von seinem Freunde Poly\u00e4nus lehren lassen, als sie ihn verlernen zu lassen, so w\u00fcrde er nie auf eine solche Meinung gekommen sein. Die Sonne hielt Demokrit f\u00fcr einen grossen K\u00f6rper, denn er war ein gelehrter und in der Geometrie bewanderter Mann; dagegen soll sie nach Epikur nur ohngef\u00e4hr einen Fuss gross sein, da er sie nur f\u00fcr so gross hielt, als sie erscheint, oder doch nur ein wenig gr\u00f6sser oder kleiner.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 21.<\/strong><br>So verdirbt Epikur das, was er ver\u00e4ndert, und was er beibeh\u00e4lt, geh\u00f6rt ganz dem Demokrit an. Die Atome, das Leere, die Bilder, welche sie eidola nennen, durch deren Eindringen man nicht blos sieht, sondern auch denkt, die Unendlichkeit selbst, die sie apeiria nennen, geh\u00f6ren ganz dem Demokrit an; ebenso die unz\u00e4hligen Welten, welche t\u00e4glich entstehen und vergehen. Obgleich ich dem keineswegs zustimmen mag, so kann ich es doch nicht billigen, wenn der von Allen gelobte Demokrit gerade von Epikur, der ihm lediglich gefolgt ist, getadelt wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kap. VII.<\/strong><br><strong>\u00a7 22.<\/strong><br>Was nun den zweiten Theil der Philosophie anlangt, den man die Logik nennt und welcher das Untersuchen und Er\u00f6rtern behandelt, so scheint mir Euer Philosoph darin sehr schwach und d\u00fcrftig. Er beseitigt die Definitionen, sagt nichts \u00fcber Eintheilungen und Abschnitte und lehrt nicht, wie der Vernunftschluss gebildet wird und wirkt; er zeigt auch nicht, auf welchem Wege das Verf\u00e4ngliche gel\u00f6st und das Zweideutige beseitigt werden kann. Das Urtheil \u00fcber die Dinge verlegt er in die Sinne, und ist durch diese einmal Falsches f\u00fcr Wahres geboten worden, so h\u00e4lt er jedes Kennzeichen der Wahrheit und Unwahrheit f\u00fcr aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 23.<\/strong><br>Vorz\u00fcglich aber begr\u00fcndet er den Satz, dass die Natur selbst, wie er sagt, ausw\u00e4hle und billige, n\u00e4mlich die Lust und den Schmerz; hierauf bezieht er Alles, was man vermeiden und dem man nachstreben solle. Allerdings ist auch Aristipp dieser Ansicht, und die Cyrenaiker haben sie besser und ungezwungener vertheidigt; aber dennoch kann es nach meinem Urtheil keine des Menschen unw\u00fcrdigere geben; vielmehr hat die Natur, wie mir scheint, zu Gr\u00f6sserem uns geschaffen und gebildet. Ich kann mich vielleicht irren; aber sicherlich hat doch jener Torquatus, der zuerst diesen Beinamen sich erwarb, die Halskette dem Feinde nicht deshalb entrissen, um damit sich irgendwie k\u00f6rperliche Lust zu verschaffen; noch hat er w\u00e4hrend seines dritten Consulats mit den Lateinern an der Veseris der Lust wegen gek\u00e4mpft. Als er aber seinen Sohn mit dem Beile hinrichten liess, scheint er sogar sich vieler Freuden beraubt zu haben, indem er das Recht der Majest\u00e4t und des Amtes h\u00f6her als die Natur und die v\u00e4terliche Liebe stellte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 24.<\/strong><br>Und wie erkl\u00e4rt es sich denn, dass derjenige Torquatus, welcher mit Cn. Octavius Consul war, so streng gegen seinen Sohn verfuhr? Er hatte ihn aus der v\u00e4terlichen Gewalt entlassen, damit D. Silanus ihn an Kindesstatt annehmen konnte, und forderte ihn zur Verantwortung vor sich, als die macedonischen Gesandten ihn anklagten, er habe sich als Pr\u00e4tor in der Provinz bestechen lassen. Nach Anh\u00f6rung beider Theil f\u00e4llte er seinen Spruch dahin, dass sein Sohn sich in seinem Amte nicht so wie seine Vorfahren benommen habe, und er verbot ihm, wieder vor seine Augen zu kommen. Meinst Du, dass er dabei nur an sein Vergn\u00fcgen gedacht habe? Ich \u00fcbergehe die Gefahren, Anstrengungen und Schmerzen, welche die besten M\u00e4nner f\u00fcr das Vaterland und die Ihrigen \u00fcbernehmen, obgleich ihnen keine Lust dabei sich bietet. Sie gehen vielmehr Allem der Art vorbei und wollen lieber alle Schmerzen ertragen, als irgend eine ihrer Pflichten vers\u00e4umen; ich wende mich vielmehr zu geringern Dingen, welche dies nicht minder best\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 25.<\/strong><br>Welche Lust hast Du, mein Torquatus, und Du, unser Triarius, nicht von den Wissenschaften, von der Geschichte und der Kenntniss der Dinge und dem Auswendiglernen so vieler Verse? Sage mir nicht: \u00bbDies Alles an sich macht mir Vergn\u00fcgen, wie Jenes es den Torquatern gemacht hat.\u00ab Nirgends vertheidigt Epikur dies so, und auch Du nicht und Niemand, der Verstand hat oder seine Lehre kennt. Wenn man sich aber \u00fcber die grosse Zahl der Epikureer wundert, so giebt es mancherlei Ursachen daf\u00fcr; haupts\u00e4chlich wird die Menge davon angelockt, weil sie meint, das Gerechte und Sittliche gew\u00e4hre nach dessen Ausspruche, als solches, durch sich Freude und damit Lust. Die guten Leute sehen nicht ein, dass sein ganzes Lehrgeb\u00e4ude umst\u00fcrzen w\u00fcrde, wenn es sich so verhielte. Denn wenn Epikur zugest\u00e4nde, dass jene Dinge, auch wenn sie zur sinnlichen Lust nichts beitragen, doch um ihrer willen an sich selbst angenehm seien, so m\u00fcsste auch die Tugend und das Wissen um ihrer selbst willen erstrebt werden, was er keinesweges will.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 26.<\/strong><br>Diese Lehren Epikur\u2019s billige ich also, wie gesagt, nicht; im Uebrigen h\u00e4tte ich gew\u00fcnscht, er w\u00e4re unterrichteter in den Wissenschaften gewesen; denn er ist, wie ja auch Du anerkennen musst, in jenen Wissenschaften und K\u00fcnsten wenig bewandert, in deren Besitz man zu den Gelehrten gerechnet wird; wenigstens h\u00e4tte er Andere nicht von der Besch\u00e4ftigung mit den Wissenschaften abschrecken sollen, obwohl ich sehe, dass Du Dich keinesweges davon hast abschrecken lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kap. VIII.<\/strong><br>Ich hatte dies mehr gesagt, um den Torquatus zu reizen, als um selbst das Wort zu f\u00fchren. Da sprach Triarius l\u00e4chelnd: Du hast ja den Epikur beinahe ganz aus dem Philosophen-Chor vertrieben; nichts hast Du ihm belassen, als dass Du, wie er auch sprechen mag, verstehst, was er sagt. In der Physik soll er nur die Lehre Anderer vorgetragen haben und selbst diese nicht so, dass Du es billigen kannst; wenn er etwas darin verbessern gewollt, so soll er es verschlechtert haben; die Kunst der Er\u00f6rterung soll ihm gefehlt haben, und wenn er die Lust f\u00fcr das h\u00f6chste Gut erkl\u00e4rt, so soll er erstens dies selbst nicht recht eingesehen haben und zweitens es ebenfalls Andern entlehnt haben. Denn schon vor ihm habe Aristipp dasselbe und besser gelehrt; zuletzt hast Du ihn sogar f\u00fcr keinen Gelehrten erkl\u00e4rt. \u2013<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 27.<\/strong><br>Darauf erwiderte ich: Es ist unm\u00f6glich, Triarius, dass man seine Missbilligung nicht da aussprechen soll, wo man anderer Ansicht ist. Was k\u00f6nnte mich hindern, ein Epikureer zu werden, wenn ich seine Lehre billigte? zumal da man sie spielend erlernen kann. Wenn sich deshalb M\u00e4nner verschiedener Ansicht tadeln, so verdient dies noch keine R\u00fcge; nur Schimpfreden, Verl\u00e4umdungen, Zorn, Zank, und hartn\u00e4ckigen Eigensinn bei den Besprechungen halte ich eines Philosophen nicht w\u00fcrdig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 28.<\/strong><br>Da sagte Torquatus: Ich bin ganz Deiner Meinung; man kann sich nicht streiten, ohne zu tadeln, und ebenso wenig kann man im Zorne oder Eigensinn gr\u00fcndlich er\u00f6rtern. Aber in der Sache selbst k\u00f6nnte ich wohl antworten, wenn es Euch nicht bel\u00e4stigt. \u2013 Glaubst Du, erwiderte ich, dass ich so gesprochen haben w\u00fcrde, wenn ich Dich nicht gern h\u00e4tte h\u00f6ren wollen ? \u2013 Soll ich also, sagte er, die ganze Lehre Epikur\u2019s durchgehen oder nur seine Lehre \u00fcber die Lust untersuchen, auf die ja aller Streit hinausgeht? \u2013 Mache es ganz, sagte ich, wie es Dir angemessen scheint. \u2013 Nun gut, erwiderte er, so mag es so sein; ich werde nur einen Gegenstand, aber den wichtigsten erl\u00e4utern. Ueber die Physik will ich ein andermal sprechen und hoffe Dir dann sowohl jene Abweichung der Atome wie die Gr\u00f6sse der Sonne zu beweisen, auch dass Epikur viele Irrth\u00fcmer Demokrit\u2019s aufgedeckt und verbessert hat. Ich beschr\u00e4nke mich also jetzt auf die Frage \u00fcber die Lust und werde dabei zwar nichts Neues beibringen, aber vertraue, dass auch Du das, was ich sage, billigen wirst. \u2013 Gewiss, antwortete ich, werde ich nicht eigensinnig sein, sondern Dir in Allem, was Du mir beweisen wirst, gern beistimmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 29.<\/strong><br>Dies wird geschehen, wenn Du so billig bist, wie Du sagst. Ich werde indess dabei im Zusammenhange und fortgehend sprechen, ohne zu fragen oder mich fragen zu lassen. \u2013 Wie es Dir beliebt, sagte ich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kap. IX.<\/strong><br>Er begann hierauf folgendermaassen: Zun\u00e4chst will ich so verfahren, wie es der Stifter dieser Lehre verlangt, und feststellen, was und welcher Art der Gegenstand unserer Untersuchung ist; nicht, weil ich meinte, es sei dies Euch unbekannt, sondern damit meine Darstellung begr\u00fcndet und geradeaus vorschreite. Wir suchen also das h\u00f6chste und \u00e4usserste Gut, was nach aller Philosophen Ansicht so beschaffen sein muss, dass alles Andere auf es zu beziehen ist, w\u00e4hrend es selbst durch nichts bedingt ist. Epikur setzt dasselbe in die Lust; er erkl\u00e4rt sie f\u00fcr das h\u00f6chste Gut und den Schmerz f\u00fcr das h\u00f6chste Uebel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 30.<\/strong><br>Er zeigt dies in der Weise, dass jedes lebende Wesen von seiner Geburt ab nach der Lust verlange und sin hrer als des h\u00f6chsten Gutes erfreue, w\u00e4hrend es den Schmerz, als das h\u00f6chste Uebel, abweise und m\u00f6glichst von sich zur\u00fcckstosse. Dies geschehe von demselben, noch ehe es verdorben worden, lediglich nach dem reinen und unverf\u00e4lschten Antriebe seiner Natur. Es bed\u00fcrfe deshalb keiner Gr\u00fcnde und Beweise daf\u00fcr, weshalb die Lust zu erstreben und der Schmerz zu fliehen sei; dies lehre schon das Gef\u00fchl, so wie man wahrnehme, dass das Feuer w\u00e4rme, der Schnee weiss, der Honig s\u00fcss sei; f\u00fcr den Beweis dessen bed\u00fcrfe es keiner besonders ausgew\u00e4hlten Gr\u00fcnde, es gen\u00fcge, darauf aufmerksam zu machen. Denn die Beweisf\u00fchrung und Schlussfolgerung unterscheide sich von der einfachen Wahrnehmung und Beachtung; jene er\u00f6ffne das Verborgene und gleichsam Eingewickelte, diese urtheile \u00fcber das sofort Erfassbare und offen zu Tage Liegende. Nehme man dem Menschen seine Sinne, so verbleibe ihm Nichts; deshalb m\u00fcsse die Natur selbst beurtheilen, was ihr angenehm oder zuwider sei, und diese bemerke und erkenne als Ursache des Begehrens und Verabscheuens nur die Lust und den Schmerz.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 31.<\/strong><br>Doch m\u00f6chten Manche der Unsrigen dies noch scharfsinniger begr\u00fcnden; sie bestreiten deshalb, dass es gen\u00fcge, blos nach dem Gef\u00fchle zu bestimmen, was ein Gut und was ein Uebel sei; vielmehr k\u00f6nne man auch geistig und durch die Vernunft einsehen, dass die Lust um ihrer selbst willen zu suchen und der Schmerz um seiner selbst willen zu fliehen sei. Nach ihnen ist in der Seele des Menschen die nat\u00fcrliche und angeborne Vorstellung enthalten, dass das Eine zu suchen und das Andere zu fliehen sei. Andere dagegen, denen ich beistimme, meinen, dass man hier seiner Sache nicht zu sehr vertrauen d\u00fcrfe, da von verschiedenen Philosophen Vieles angef\u00fchrt sei, weshalb die Lust nicht zu den G\u00fctern und der Schmerz nicht zu den Uebeln zu rechnen sei; deshalb m\u00fcsse diese Frage \u00fcber die Lust und den Schmerz mit Gr\u00fcnden in genauern Er\u00f6rterungen und reiflichern Erw\u00e4gungen behandelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kap. X.<br>\u00a7 32.<\/strong><br>Damit Ihr indess erkennt, woher dieser ganze Irrthum gekommen ist, und weshalb man die Lust anklagt und den Schmerz lobet, so will ich Euch Alles er\u00f6ffnen und auseinander setzen, was jener Begr\u00fcnder der Wahrheit und gleichsam Baumeister des gl\u00fccklichen Lebens selbst dar\u00fcber gesagt hat. Niemand, sagt er, verschm\u00e4he, oder hasse, oder fliehe die Lust als solche, sondern weil grosse Schmerzen ihr folgen, wenn man nicht mit Vernunft ihr nachzugehen verstehe. Ebenso werde der Schmerz als solcher von Niemand geliebt, gesucht und verlangt, sondern weil mitunter solche Zeiten eintreten, dass man mittelst Arbeiten und Schmerzen eine grosse Lust sich zu verschaften suchen m\u00fcsse. Um hier gleich bei dem Einfachsten stehen zu bleiben, so w\u00fcrde Niemand von uns anstrengende k\u00f6rperliche Uebungen vornehmen, wenn er nicht einen Vortheil davon erwartete. Wer d\u00fcrfte aber wohl Den tadeln, der nach einer Lust verlangt, welcher keine Unannehmlichkeit folgt, oder der einem Schmerze ausweicht, aus dem keine Lust hervorgeht?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 33.<\/strong><br>Dagegen tadelt und hasst man mit Recht Den, welcher sich durch die Lockungen einer gegenw\u00e4rtigen Lust erweichen und verf\u00fchren l\u00e4sst, ohne in seiner blinden Begierde zu sehen, welche Schmerzen und Unannehmlichkeiten seiner deshalb warten. Gleiche Schuld treffe Die, welche aus geistiger Schw\u00e4che, d.h. um der Arbeit und dem Schmerze zu entgehen, ihre Pflichten verabs\u00e4umen. Man kann hier leicht und schnell den richtigen Unterschied treffen; zu einer ruhigen Zeit, wo die Wahl der Entscheidung v\u00f6llig frei ist und nichts hindert, das zu thun, was den Meisten gef\u00e4llt, hat man jede Lust zu erfassen und jeden Schmerz abzuhalten; aber zu Zeiten trifft es sich in Folge von schuldigen Pflichten oder von sachlicher Noth, dass man die Lust zur\u00fcckweisen und Beschwerden nicht von sich weisen darf. Deshalb trifft der Weise dann eine Auswahl, damit er durch Zur\u00fcckweisung einer Lust daf\u00fcr eine gr\u00f6ssere erlange oder durch Uebernahme gewisser Schmerzen sich gr\u00f6ssere erspare.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 34.<\/strong><br>Wenn ich an diese Lehre verschaften suchen m\u00fcsse. Um hier gleich bei dem Einfachsten stehen zu bleiben, so w\u00fcrde Niemand von uns anstrengende k\u00f6rperliche Uebungen vornehmen, wenn er nicht einen Vortheil davon erwartete. Wer d\u00fcrfte aber wohl Den tadeln, der nach einer Lust verlangt, welcher keine Unannehmlichkeit folgt, oder der einem Schmerze ausweicht, aus dem keine Lust hervorgeht?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 35.<\/strong><br>Sollten da solche ausgezeichnete M\u00e4nner so grosse Thaten ohne Grund verrichtet haben? Welcher Grund hier gewirkt hat, werden wir bald sehen; vorl\u00e4ufig halte ich fest, dass, wenn sie wegen irgend eines Grundes dergleichen unzweifelhaft herrliche Thaten verrichtet haben, jedenfalls dann die Tugend an sich f\u00fcr sie nicht der Grund gewesen sein kann. Du sagst: Er hat dem Feinde die Halskette entrissen! \u2013 Aber er deckte sich auch, um nicht umzukommen. \u2013 Allein er hat sich doch einer grossen Gefahr ausgesetzt. \u2013 Ja, aber im Angesicht seines Heeres. \u2013 Aber was h\u00e4tte er damit erreicht? \u2013 Lob und Liebe, die sichersten Schutzmittel, um das Leben ohne Furcht zuzubringen. \u2013 Er hat seinen Sohn mit dem Tode bestraft. \u2013 H\u00e4tte er es ohne Grund gethan, so m\u00f6chte ich nicht der Nachkomme eines so schroffen und grausamen Mannes sein; that er es, um durch seinen Schmerz den Gehorsam und die Achtung vor seinem Feldherrnamt zu st\u00e4rken und das Heer in einem der schwersten Kriege durch die Furcht vor Strafe in Zucht zu erhalten, so hat er f\u00fcr das Wohl der B\u00fcrger gesorgt, in dem, wie er wusste, auch das seinige enthalten war.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 36.<\/strong><br>Und diese Gr\u00fcnde reichen weit. Alles, was Eure Reden R\u00fchmeswerthes beigebracht haben, und was insbesondere Du mit Eifer aus den alten Zeiten herbeigeholt hast, wo ber\u00fchmte und tapfre M\u00e4nner ihre Thaten nicht um eines Vortheils willen, sondern im Glanze der Rechtschaffenheit vollbracht haben sollen, dies Alles f\u00e4llt zusammen, wenn, wie ich gesagt, jene Auswahl unter den Dingen statthat und entweder eine Lust aufgegeben wird, um eine desto gr\u00f6ssere dadurch zu erlangen, oder wenn ein Schmerz \u00fcbernommen wird, um gr\u00f6sseren Schmerzen dadurch zu entgehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kap. XI.<br>\u00a7 37.<\/strong><br>Damit d\u00fcrfte \u00fcber die gl\u00e4nzenden und ruhmvollen Thaten grosser M\u00e4nner hier genug gesagt sein, und ich werde bald eine passendere Gelegenheit haben, um die Richtung aller Tugenden nach der Lust hin darzulegen. Jetzt will ich erkl\u00e4ren, was und welcher Art die Lust selbst ist, um die irrigen Meinungen Unerfahrener zu beseitigen und zu zeigen, wie ernst, entschlossen und streng jene Lehre ist, die man f\u00fcr woll\u00fcstig, verz\u00e4rtelt und verweichlicht zu halten pflegt. Denn wir suchen nicht blos jene Lust, die durch ihre S\u00fcssigkeit die Natur von selbst erregt und von den Sinnen angenehm empfunden wird, sondern vor Allem die Lust, welche man durch die Entfernung allen Schmerzes empfindet. Denn wenn man vom Schmerz erl\u00f6st wird, so erfreut man sich gerade an dieser Befreiung und Leere von aller Unannehmlichkeit; Alles aber, dessen man sich erfreut, ist eine Lust, so wie Alles, was uns verletzt, ein Schmerz ist. Deshalb kann die Befreiung von allem Schmerz mit Recht eine Lust genannt werden. So wie der durch Speise und Trank gestillte Hunger und Durst lediglich mittelst der Beseitigung des Unangenehmen die Lust zur Folge hat, so bewirkt \u00fcberall die Beseitigung des Schmerzes als Folge die Lust.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 38.<\/strong><br>Deshalb nahm Epikur kein Mittleres zwischen Schmerz und Lust an, weil gerade jener Zustand, wo man von allen Schmerzen frei ist und welcher Manchem als das Mittlere erscheint, nicht blos eine Lust, sondern sogar die h\u00f6chste Lust ist. Jedweder, der sich erregt f\u00fchlt, muss entweder in Lust oder in Schmerz sich befinden. Mit der Beseitigung aller Schmerzen ist aber nach Epikur die h\u00f6chste Lust erreicht; man kann dann wohl die Art der Lust noch wechseln und unterscheiden, aber sie nicht mehr vergr\u00f6ssern und erweitern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 39.<\/strong><br>In Athen befindet sich, wie ich von meinem Vater geh\u00f6rt habe, der damit die Stoiker witzig und fein verspottete, auf dem Topfmarkte eine Bilds\u00e4ule des Chrysipp mit vorgestreckter Hand, welche zeigen soll, wie er sich an folgendem kurzen Schluss erg\u00f6tzt habe: \u00bbBegehret Deine so ausgestreckte Hand, wie sie es jetzt ist, etwas? \u2013 Durchaus nichts. \u2013 Aber wenn die Lust ein Gut ist, so w\u00fcrde sie es begehren? \u2013 Ich glaube ja. \u2013 Also ist die Lust kein Gut.\u00ab Nicht einmal die Bilds\u00e4ule, meinte mein Vater, w\u00fcrde, wenn sie reden k\u00f6nnte, so sprechen; denn dieser Schluss treffe wohl die Cyrenaiker richtig, aber nicht den Epikur. Wenn nur dasjenige Lust w\u00e4re, was die Sinne so zu sagen kitzelt und mit S\u00fcssigkeit ihnen zufliesst und in sie eindringt, so k\u00f6nnte weder die Hand, noch irgend ein anderer Theil mit der blossen Schmerzlosigkeit ohne ein angenehmes Gef\u00fchl der Lust zufrieden sein; wenn aber die h\u00f6chste Lust nach Epikur in der Schmerzlosigkeit bestehe, so sei dem Chrysipp das Erste wohl richtig einger\u00e4umt worden, dass die Hand in solcher Haltung nichts begehre; aber man k\u00f6nne ihm nicht auch das Zweite zugestehen, dass sie die Lust begehren w\u00fcrde, wenn sie ein Gut sei; vielmehr geschehe dies von ihr nicht, weil Alles, was von Schmerzen frei sei, sich schon in der Lust befinde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kap. XII.<br>\u00a7 40.<\/strong><br>Dass nun die Lust das h\u00f6chste Gut ist, l\u00e4sst sich leicht daraus abnehmen, dass, wenn man sich einen Menschen vorstellt, der alle Lust der Seele und des K\u00f6rpers in hohem Maasse, in grosser Menge und ohne Unterlass geniesst, dabei weder durch Schmerzen gedr\u00fcckt, noch davon bedroht wird, man sich keinen bessern und w\u00fcnschenswerthern Zustand wie diesen denken kann. Ein Mensch in diesem Zustande muss eine Festigkeit der Seele besitzen, die weder den Tod noch die Schmerzen f\u00fcrchtet; denn im Tode hat man keine Empfindung mehr, und der Schmerz wird durch seine L\u00e4nge leichter, und ist er schwer, so pflegt er nur kurze Zeit zu w\u00e4hren, so dass \u00fcber dessen Schwere sein rasches Vor\u00fcbergehen und \u00fcber seine Dauer seine Leichtigkeit tr\u00f6stet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 41.<\/strong><br>Dazu kommt, dass in solchem Zustande den Menschen kein g\u00f6ttliches Wesen \u00e4ngstigt und die vergangene Lust ihm nicht entschwindet; vielmehr freut er sich ihrer in steter Erinnerung. Wie k\u00f6nnte da noch irgend etwas Besseres zu solchem Zustande hinzutreten? Nimm dagegen Jemand, der von so grossen k\u00f6rperlichen und geistigen Schmerzen gebeugt wird, wie sie einen Menschen nur treffen k\u00f6nnen, der dabei keine Aussicht hat, dass sie sich lindern werden, und der weder jetzt eine Lust f\u00fchlt noch eine solche erwartet, kann man da einen noch elendern Zustand nennen oder sich vorstellen? Wenn ein von Schmerzen erf\u00fclltes Leben am meisten zu f\u00fcrchten ist, so ist offenbar ein Leben in Schmerzen das h\u00f6chste Uebel, und dem entspricht, dass ein Leben in Lust das h\u00f6chste ist. Denn unsre Seele hat sonst Nichts, was ihr als Endziel gelten k\u00f6nnte; alle Furcht und alle Krankheit wird auf den Schmerz zur\u00fcckgef\u00fchrt, und es giebt ausserdem Nichts, was seiner Natur nach Sorge oder Angst erwecken k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 42.<\/strong><br>Ueberdem nimmt alles Begehren, alles Verabscheuen und alle Th\u00e4tigkeit ihren Anfang von der Lust oder dem Schmerz, und wenn dies richtig ist, so erhellt, dass alles Rechte und L\u00f6bliche auf ein von Lust erf\u00fclltes Leben abzielt. Wenn nun Das als das h\u00f6chste, oder letzte, oder \u00e4usserste Gut gelten muss die Griechen nennen es telos, Was an sich selbst auf nichts Anderes bezogen wird, aber auf welches alles Andere bezogen wird, so muss man anerkennen, dass ein angenehmes Leben das h\u00f6chste Gut ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kap. XIII.<\/strong><br>Jene, welche dies h\u00f6chste Gut nur allein in die Tugend setzen und, durch den Glanz des Wortes geblendet, nicht erkennen, was die Natur verlangt, w\u00fcrden von diesem grossen Irrthume befreit werden, wenn sie den Epikur h\u00f6ren wollten. Denn wenn diese Eure vortrefflichen und sch\u00f6nen Tugenden zu keiner Lust f\u00fchrten, so w\u00fcrde sie Niemand f\u00fcr etwas L\u00f6bliches oder Begehrenswerthes halten. So sch\u00e4tzt man die Kunst der Aerzte nicht um ihrer selbst willen, sondern weil sie die Gesundheit bewirkt, und die Kunst des Steuermannes wird nicht als solche, sondern wegen ihres Nutzens f\u00fcr die gute Schifffahrt gelobt, und so w\u00fcrde auch die Weisheit, die nur als die Lebenskunst anzusehen ist nicht begehrt werden, wenn sie nichts bewirkte; man verlangt nach ihr nur, weil sie gleichsam der Werkmeister ist, der die Lust beschafft und bereitet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 43.<\/strong><br>Ihr seht also, was ich unter der Lust verstehe; deshalb lasst Euch durch ihren verhassten Namen meine Rede nicht abschw\u00e4chen. Nur weil man die G\u00fcter und Uebel nicht kennt, wird das Leben haupts\u00e4chlich beschwerlich; wegen dieses Irrthums b\u00fcsst man oft die gr\u00f6ssten Freuden ein und wird von den h\u00e4rtesten Seelenschmerzen gepeinigt. Deshalb bedarf man der Weisheit, welche alle Strecken und Begierden beseitigt, alle dreisten, falschen Meinungen zerst\u00f6rt und sich damit als den sichersten F\u00fchrer zur Lust bew\u00e4hrt. Denn nur die Weisheit allein vermag die Seele von der Traurigkeit zu befreien; nur sie l\u00e4sst uns durch die Furcht nicht in Schrecken gerathen; unter ihrer F\u00fchrung kann man die Hitze aller Begierden k\u00fchlen und ein ruhiges Leben f\u00fchren. Denn die Begierden sind uners\u00e4ttlich; nicht blos Einzelne, sondern ganze Familien bringen sie in Lust f\u00fchrten, so w\u00fcrde sie Niemand f\u00fcr etwas L\u00f6bliches oder Begehrenswerthes halten. So sch\u00e4tzt man die Kunst der Aerzte nicht um ihrer selbst willen, sondern weil sie die Gesundheit bewirkt, und die Kunst des Steuermannes wird nicht als solche, sondern wegen ihres Nutzens f\u00fcr die gute Schifffahrt gelobt, und so w\u00fcrde auch die Weisheit, die nur als die Lebenskunst anzusehen ist nicht begehrt werden, wenn sie nichts bewirkte; man verlangt nach ihr nur, weil sie gleichsam der Werkmeister ist, der die Lust beschafft und bereitet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 44.<\/strong><br>Von den Begierden kommt der Hass, die Uneinigkeit, der Streit, der Aufruhr, der Krieg. Auch werfen sie sich nicht blos nach Aussen und st\u00fcrzen in blindem Ungest\u00fcm nicht blos auf Andere, sondern auch innerlich, in der Seele eingeschlossen, streiten und bek\u00e4mpfen sie sich selbst und verbittern damit das Leben. Deshalb kann nur der Weise, der alle Eitelkeit und allen Irrthum von sich abgethan und beseitigt hat, zufrieden in den von der Natur gesetzten Schranken ohne Aerger und Furcht sein Leben verbringen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 45.<\/strong><br>Denn welche Unterscheidung ist wohl n\u00fctzlicher und f\u00fcr ein gutes Leben geeigneter, als die, welche Epikur gezogen hat? In die eine Klasse der Begierden stellte er die nat\u00fcrlichen und zugleich nothwendigen, in die zweite die nat\u00fcrlichen, aber nicht nothwendigen, und in die dritte die, welche weder nat\u00fcrlich noch nothwendig sind. Ihr Verh\u00e4ltniss ist der Art, dass die notwendigen ohne viele M\u00fche und Kosten sich befriedigen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 46.<\/strong><br>Ebenso verlangen auch die nat\u00fcrlichen nicht viel, weil die Natur selbst die G\u00fcter, mit denen sie zufrieden ist, bereitet und abgrenzt; nur von den eitlen Begierden kann weder ein Maass noch ein Ende gefunden werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kap. XIV.<\/strong><br>Wenn man sieht, wie der Irrthum und die Unwissenheit das ganze Leben in Verwirrung bringt, und wie nur die Weisheit uns vor dem Ungest\u00fcm der L\u00fcste und den Schrecknissen der Furcht sch\u00fctzt; wie sie selbst das Unrecht des Schicksals uns mit Geduld ertragen lehrt und die Wege weist, welche zur Ruhe und zur Freiheit von Gem\u00fcthsbewegungen f\u00fchren, wie konnte man da zweifeln und nicht offen anerkennen, dass die Weisheit wegen Gewinnung der Lust zu erstreben und die Unwissenheit wegen des Ungemachs zu fliehen sei!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 47.<\/strong><br>Aus demselben Grunde wird, nach unsrer Lehre, auch die M\u00e4ssigkeit nicht um ihrer selbst willen gesucht, sondern weil sie der Seele den Frieden bringt und die Gem\u00fcther gleichsam durch eine gewisse Eintracht beruhigt und bes\u00e4nftigt. Denn die M\u00e4ssigkeit ist es, welche uns ermahnt, in dem Begehren und dem Fliehen der einzelnen Dinge der Vernunft zu folgen, da es nicht gen\u00fcgt, dass man richtig beurtheile, was zu thun und zu unterlassen sei, sondern dass man auch an diesem Urtheile festhalte. Die meisten Menschen k\u00f6nnen nicht bei dem, was sie selbst beschlossen haben, beharren und verbleiben, sondern lassen sich durch den entgegentretenden Reiz der Lust besiegen und verf\u00fchren. Damit begeben sie sich in die Fesseln ihrer L\u00fcste, sehen das Kommende nicht voraus und gerathen deshalb um einer geringen Lust willen, die entweder vermeidlich war, oder die auf andere Weise erlangt werden konnte, oder die sie allenfalls auch ohne Schmerzen entbehren konnten, theils in schwere Krankheiten, theils in Schaden, theils in Schande, ja, oft verfallen sie auch den Strafen der Gerichte und Gesetze.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 48.<\/strong><br>Wer aber die Lust so zu geniessen vermag, dass kein Schmerz daraus f\u00fcr ihn hervorgeht, und wer in seinen Urtheilen zur\u00fcckh\u00e4lt, um nicht, durch die Lust besiegt, das zu thun, was nach der eigenen Ansicht nicht geschehen soll, der erreicht gerade durch Beiseiteschiebung solcher Lust die h\u00f6chste Lust, und der ertr\u00e4gt auch oft einen Schmerz, um nicht sonst in einen gr\u00f6sseren zu gerathen. Hieraus erhellt, dass auch die Unm\u00e4ssigkeit nicht um ihrer selbst willen zu fliehen ist, und dass man die M\u00e4ssigkeit nicht begehrt, weil sie die Lust flieht, sondern weil sie die gr\u00f6ssere Lust bereitet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kap. XV.<br>\u00a7 49.<\/strong><br>Dasselbe wird sich auch f\u00fcr die Tapferkeit ergeben. Denn weder die Verrichtung einer Arbeit noch das Erleiden eines Schmerzes lockt an sich an; auch thut dies nicht die Geduld, die Emsigkeit, das Nachtwachen, ja, selbst der vielger\u00fchmte Fleiss und selbst die Tapferkeit nicht; vielmehr folgt man ihren Geboten nur, damit man ohne Sorgen und Furcht leben k\u00f6nne und man Seele und Leib nach M\u00f6glichkeit vor Ungemach bewahre. So wie die Todesfurcht den ganzen Zustand eines ruhigen Lebens verwirrt, und so wie es j\u00e4mmerlich ist, wenn man den Schmerzen unterliegt oder sie nur mit gedr\u00fccktem oder schw\u00e4chlichem Sinne ertr\u00e4gt, und wie ob dieser Geistesschw\u00e4che Viele ihre Eltern, Viele ihre Freunde, Manche ihr Vaterland, die Meisten aber sich selbst g\u00e4nzlich ins Verderben gest\u00fcrzt haben, so h\u00e4lt sich umgekehrt ein starker und erhabener Sinn frei von aller Angst und Sorge und verachtet selbst den Tod; denn wer davon getroffen wird, ist eben nur so daran, als wie vor seiner Geburt. Ein solcher ist bereit, Schmerzen zu ertragen, denn er weiss, dass die gr\u00f6ssten mit dem Tode enden, dass die kleinen viele Pausen der Ruhe haben und dass man Herr der m\u00e4ssigen Schmerzen werden kann, so dass die ertr\u00e4glichen ausgehalten werden k\u00f6nnen, und bei den h\u00e4rteren man mit Seelenruhe das Leben, wenn es nicht gef\u00e4llt, wie ein Theater verlassen kann. Daraus ergiebt sich, dass die Furchtsamkeit und Tr\u00e4gheit nicht ihretwegen getadelt und die Tapferkeit und Gelassenheit nicht ihretwegen gelobt werden; sondern man verwirft jene, weil sie Schmerzen, und w\u00e4hlt diese, weil sie Lust bereiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kap. XVI.<br>\u00a7 50.<\/strong><br>So bleibt nur noch die Gerechtigkeit, um alle Tugenden behandelt zu haben. Auch von ihr kann indess das Gleiche gesagt werden. So wie ich gezeigt habe, dass die Weisheit, M\u00e4ssigkeit und Tapferkeit mit der Lust in der Art verbunden sind, dass sie in keiner Weise von ihr getrennt und abgesondert werden k\u00f6nnen, so gilt dies auch von der Gerechtigkeit, die nicht allein niemals Jemandem schadet, sondern immer durch ihre Kraft und Natur beitr\u00e4gt, das Gem\u00fcth zu beruhigen und die Hoffnung zu erhalten, dass Nichts von dem fehlen werde, dessen ein unverdorbener Mensch bedarf. So wie die Verwegenheit, die Ausgelassenheit und Tr\u00e4gheit die Seele immer peinigen, immer aufregen und st\u00f6ren, so beunruhigt auch die Unredlichkeit, wenn sie in dem Gem\u00fcth sich festgesetzt hat, durch ihre blosse Gegenwart; wenn sie etwas unternimmt, kann sie trotz aller Heimlichkeit doch nicht sicher sein, dass es immer verborgen bleiben werde; denn in der Regel folgt den Handlungen des Unredlichen zun\u00e4chst der Verdacht, dann erhebt sich das Gerede und Ger\u00fccht, dann der Ankl\u00e4ger und zuletzt der Richter, ja, Viele zeigen sich selbst an, wie w\u00e4hrend Deines Consulats geschah.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 51.<\/strong><br>Selbst wenn Einzelne sich gen\u00fcgend gegen alles Bekanntwerden gesch\u00fctzt und verwahrt zu haben d\u00fcnken, bleibt ihnen doch die Furcht vor den G\u00f6ttern, und sie halten jene Angst, die ihr Gem\u00fcth \u00bbTag und Nacht\u00ab verzehrt, f\u00fcr eine von den unsterblichen G\u00f6ttern verh\u00e4ngte Strafe. Wie kann wohl aus unrechten Handlungen eine so grosse Minderung der Unannehmlichkeiten des Lebens hervorgehen, dass sie die aus dem Bewusstsein der Unthaten, aus der Strafe der Gesetze und dem Hass der B\u00fcrger hervorgehende Steigerung derselben die Wage hielte? Und doch giebt es Menschen, die weder in dem Streben nach Geld, noch nach Ehren, nach Herrschaft, nach sinnlicher Lust, nach leckem Mahlzeiten und neuen Annehmlichkeiten Maass halten. Keine Beute, die sie aus ihren Unthaten gewonnen haben, mindert ihre Begierden; sie werden dadurch nur heftiger, und nur Zwang, aber nicht Ermahnung kann sie im Zaume halten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 52.<\/strong><br>So empfiehlt die wahre Vernunft dem Verst\u00e4ndigen die Gerechtigkeit, die Billigkeit, die Treue. Schon dem ungeschickten, dem schwachen Menschen n\u00fctzt sein Unrechtthun nichts, da er seine Pl\u00e4ne nicht leicht auszuf\u00fchren und, wenn es geschieht, das Erreichte nicht festzuhalten vermag. Aber auch die Macht an Geist und Verm\u00f6gen passt besser zu einem edlen Sinne, denn durch einen solchen erlangt man das Wohlwollen der Menschen und, was f\u00fcr die Ruhe des Lebens noch wichtiger ist, ihre Liebe, weil aller Anlass zum Unrechtthun dann fehlt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 53.<\/strong><br>Denn die nat\u00fcrlichen Begierden k\u00f6nnen leicht und ohne Verletzung Anderer befriedigt werden, und den eitlen Begierden darf man nicht nachgeben, da sie kein W\u00fcnschenswerthes begehren und in dem Unrecht selbst mehr Schaden enthalten ist, als Vortheil in den Dingen, die durch das Unrecht erlangt werden. Deshalb kann man auch von der Gerechtigkeit nicht sagen, dass sie um ihrer selbst willen begehrenswerth sei; sie ist es nur, weil sie zur Annehmlichkeit des Lebens am meisten beitr\u00e4gt. Geliebt zu werden und Andern theuer zu sein, ist angenehm, weil das Leben dadurch sicherer und die Lust vollst\u00e4ndiger wird. Wir meinen daher, dass die Unredlichkeit nicht blos deshalb zu fliehen sei, weil sie dem Unredlichen Nachtheil bringt, sondern weit mehr noch, weil sie das von ihr eingenommene Gem\u00fcth niemals zu Athem und Ruhe kommen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 54.<\/strong><br>Wenn sonach selbst das Lob der Tugenden, in dem sich die Ausf\u00fchrungen der \u00fcbrigen Philosophen haupts\u00e4chlich so stolz ergehen, zu keinem Ergebnisse f\u00fchren kann, so lange es nicht auf die Lust gerichtet wird, und wenn die Lust allein es ist, die uns durch ihre Natur anruft und anlockt, so kann es nicht zweifelhaft sein, dass sie das h\u00f6chste und \u00e4usserste Gut ist, und dass das gl\u00fcckliche Leben nur in einem von Lust erf\u00fcllten Leben besteht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kap. XVII.<br>\u00a7 55.<\/strong><br>Ich will nun kurz darlegen, was mit diesem festen und gesicherten Grundsatz verkn\u00fcpft ist. In dem h\u00f6chsten Gut und Uebel, d.h. in der Lust oder in dem Schmerze, kann man sich nicht irren, aber wohl kann man in den Gegenst\u00e4nden fehlgreifen, wenn man nicht weiss, aus welchen Ursachen jene hervorgehen. Wir gestehen, dass die Lust und der Schmerz der Seele aus der Lust und dem Schmerz des K\u00f6rpers entsteht. Ich gebe deshalb zu, dass, wenn Einzelne von uns hier anderer Ansicht sind, dies, wie Du sagtest, die Sache verloren macht; es sind dies zwar Viele, aber doch nur Unerfahrene. Wenn auch die Lust der Seele uns Freude macht und ihr Schmerz uns unangenehm ist, so entspringen doch beiderlei Gef\u00fchle aus dem K\u00f6rper und werden auf ihn bezogen. Doch kann trotzdem die Lust und der Schmerz der Seele viel gr\u00f6sser als die des K\u00f6rpers sein; denn mit dem K\u00f6rper kann man nur das Gegenw\u00e4rtige und Anwesende empfinden, mit der Seele aber auch das Vergangene und Kommende. Wenn man auch bei k\u00f6rperlichen Schmerzen ebenso in der Seele leidet, so kann doch dieses Gef\u00fchl erheblich steigen, wenn man meint, von einem dauernden und endlosen Uebel bedroht zu sein; und dasselbe gilt von der Lust, sie steigt, wenn man nichts dergleichen bef\u00fcrchtet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 56.<\/strong><br>So erhellt schon hieraus, dass die gr\u00f6sste Lust und der gr\u00f6sste Schmerz der Seele von h\u00f6herer Bedeutung f\u00fcr das gl\u00fcckliche oder elende Leben ist, als beiderlei Empfindung, wenn sie gleich lange im K\u00f6rper ist. Nach unserer Ansicht folgt aus der Entziehung der Lust nicht sofort die Traurigkeit; es m\u00fcsste denn an Stelle der Lust zuf\u00e4llig ein Schmerz getreten sein; aber umgekehrt erfreut der Nachlass der Schmerzen, auch wenn keine die Sinne erregende Lust nachfolgt, und daraus kann man ersehn, welche grosse Lust in der Schmerzlosigkeit enthalten ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 57.<\/strong><br>Ebenso wie man durch die G\u00fcter, welche man erwartet, aufgerichtet wird, freut man sich ihrer in der Erinnerung. Nur die Thoren qu\u00e4len sich mit dem Andenken der vergangenen Schmerzen, w\u00e4hrend der Weise sich an den vergangenen G\u00fctern erfreut, die er in dankbarer Erinnerung sich erneut; denn es liegt in unserer Macht, das Unangenehme gleichsam in ewiges Vergessen zu h\u00fcllen und des Angenehmen sich gern und freudig zu erinnern. Betrachtet man aber das Vergangene scharf und aufmerksam, so ereignet es sich, dass, wenn es ein Uebel gewesen, man traurig, und wenn es ein Gut gewesen, man fr\u00f6hlich wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kap. XVIII.<\/strong><br>Oh! wie herrlich und offen und leicht und gerade aus f\u00fchrt nicht dieser Weg zum gl\u00fccklichen Leben! Wenn es nichts Besseres f\u00fcr den Menschen geben kann, als frei zu sein vor jedem Schmerz und Unbehagen und die h\u00f6chste Lust der Seele und des K\u00f6rpers zu gemessen, seht Ihr da nicht, dass dann nichts, was das Leben f\u00f6rdert, \u00fcbersehen ist, um das erstrebte h\u00f6chste Gut so leicht als m\u00f6glich zu erreichen. Epikur hat es laut genug ausgesprochen, dass Der, welcher, wie Ihr sagt, den L\u00fcsten zu sehr ergeben ist, nicht angenehm leben k\u00f6nne, wenn er nicht weise, anst\u00e4ndig und gerecht lebe, und dass er nicht weise, anst\u00e4ndig und gerecht lebe, wenn er nicht angenehm lebe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 58.<\/strong><br>Denn selbst ein Staat kann im Aufruhr nicht gl\u00fccklich sein, noch ein Haus, wenn die Herren uneinig sind; viel weniger kann daher die Seele, welche in Streit und Uneinigkeit mit sich selbst ist, irgend etwas von der reinen und feinern Lust geniessen. Wessen Absichten und Bestrebungen immer einander widersprechend und im Streit sind, der kann von Ruhe und Zufriedenheit nichts empfinden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 59.<\/strong><br>Wenn schon durch schwere Krankheiten des K\u00f6rpers die Annehmlichkeiten des Lebens gehemmt werden, um wie viel mehr muss das durch Krankheiten der Seele geschehen. Die Krankheiten der Seele bestehn eben in den ungem\u00e4ssigten und eitlen Begierden nach Reichthum, Ruhm, Herrschaft und sinnlicher Lust; dazu kommen Verstimmung, Traurigkeit, Kummer, welche den Geist verzehren und durch Sorgen ersch\u00f6pfen, wenn der Mensch \u00fcbersieht, dass die Seele nur das schmerzen kann, was jetzt oder sp\u00e4ter mit k\u00f6rperlichen Schmerzen verkn\u00fcpft ist; jeder Thor leidet an einer von diesen Krankheiten, und jeder ist deshalb elend.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 60.<\/strong><br>Dazu kommt noch der Tod, der, wie der Fels \u00fcber dem Tantalus, immer \u00fcber ihnen h\u00e4ngt, und der Aberglaube, bei dem der davon Erf\u00fcllte niemals ruhig werden kann. Dabei denken Solche weder an das vergangene Gute, noch geniessen sie das gegenw\u00e4rtige, und w\u00e4hrend sie das Kommende erwarten, werden sie, da hier Gewissheit nicht m\u00f6glich ist, von Angst und Furcht niedergedr\u00fcckt und schwer gepeinigt. Erst sp\u00e4t werden sie inne, dass sie vergebens sich um Geld oder Macht oder Reichthum oder Ruhm gem\u00fcht haben, wenn sie die Lust nicht erlangen, wegen der sie so viel und so schwer in der brennenden Erwartung, sie zu erreichen, sich geplagt haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 61.<\/strong><br>Nun schaut auch auf jene kleinlichen und \u00e4ngstlichen Seelen, die entweder an Allem verzagen oder boshaft, neidisch, schwerf\u00e4llig, lichtscheu, verl\u00e4umderisch, scheusslich sind, oder schaut auf Andere, die sinnlichen Ausschweifungen ergeben, oder muthwillig, tollk\u00fchn und waghalsig und zugleich unm\u00e4ssig und tr\u00e4ge niemals bei einer Meinung beharren. Deshalb h\u00f6ren in dem Leben solcher Leute die Unannehmlichkeiten niemals auf, und deshalb ist kein Thor gl\u00fccklich und kein Weiser ungl\u00fccklich. Unsere Gr\u00fcnde f\u00fcr diesen Satz sind weit besser als die der Stoiker; denn diese wollen nur, ich weiss nicht welches Schattenbild f\u00fcr ein Gut anerkennen, was sie mit einem weniger gehaltvollen als blendenden Namen das Rechte nennen; die auf dies Rechte gest\u00fctzte Tugend soll keiner Lust bed\u00fcrfen, sondern allein zum gl\u00fccklichen Leben gen\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kap. XIX.<br>\u00a7 62.<\/strong><br>Allerdings kann dies in einem gewissen Sinne behauptet werden, ohne dass wir dem entgegentreten; im Gegentheil, wir stimmen zu, da Epikur das Gl\u00fcck des Weisen immer so beschreibt, dass er seine Begierden in Schranken h\u00e4lt, den Tod nicht scheut, in Betreff der unsterblichen G\u00f6tter ohne alle Furcht ist, die Wahrheit kennt und nicht ansteht, das Leben zu verlassen, wenn es so besser ist. So ausger\u00fcstet, befindet der Weise sich stets in der Lust; zu jeder Zeit \u00fcberragt bei ihm die Lust den Schmerz, da er des Vorgegangenen sich dankbar erinnert und das Gegenw\u00e4rtige in seiner ganzen F\u00e4lle und Annehmlichkeit bewusst erfasst; er sorgt sich nicht um das Kommende, sondern geniesst in dessen Erwartung das Gegenw\u00e4rtige. So ist er von jenen Fehlern, die ich vorhin erw\u00e4hnte, v\u00f6llig frei und wird von einer hohen Freude erf\u00fcllt, wenn er das Leben des Thoren mit dem seinigen vergleicht. Treffen den Weisen einmal Schmerzen, so sind sie doch nie von einer solchen St\u00e4rke, dass er nicht immer mehr haben sollte von dem, was ihn erfreut, als von dem, was ihn \u00e4ngstigt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 63.<\/strong><br>Vortrefflich ist der Ausspruch Epikur\u2019s, dass das Schicksal dem Weisen nur wenig in den Weg trete; dass die gr\u00f6ssten und wichtigsten Angelegenheiten nach seinem Rath und seiner Anweisung besorgt werden, und dass selbst ein unendlich langes Leben nicht mehr Lust gew\u00e4hren k\u00f6nne, als schon das jetzige beschr\u00e4nkte gew\u00e4hre. Von Eurer Dialektik meinte er, dass sie kein Mittel zum bessern Leben sei und selbst bei den Er\u00f6rterungen nichts n\u00fctze; auf die Naturwissenschaften legte er aber grosses Gewicht; durch sie k\u00f6nne auch die Kraft der Worte, die Natur der Rede und das Verh\u00e4ltniss der Einstimmung und des Widerstreits erkannt werden, und durch die Erkenntniss der Natur aller Dinge werde man allein von dem Aberglauben befreit, von der Todesfurcht erl\u00f6st und nicht irregef\u00fchrt durch jene Unkenntniss der Dinge, welche oft ausserordentliche Schrecknisse veranlasse. Selbst sittlich besser werde man, wenn man gelernt habe, was die Natur verlangt. H\u00e4lt man die Erkenntniss der Dinge unverr\u00fcckt fest und bewahrt man dabei jene Regel, die f\u00fcr die Erkenntniss der Dinge gleichsam vom Himmel gefallen ist und nach der sich alle Urtheile \u00fcber die Dinge bestimmen, so wird man niemals, durch die Rede eines Andern besiegt, seine Meinung aufzugeben brauchen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 64.<\/strong><br>Aber ohne Erkenntniss der Natur der Dinge wird man niemals die Anspr\u00fcche der Sinne vertheidigen k\u00f6nnen. Ueberdem kommt Alles, was man im Geiste sieht, von den Sinnen, und man kann nur dann mittelst ihrer Etwas wahrnehmen und erkennen, wenn sie s\u00e4mmtlich als wahrhaft gelten, wie Epikur\u2019s Lehre besagt. Erkennt man dies nicht an und leugnet man eine Erkenntniss durch die Sinne, so kann man bei solcher Beseitigung derselben nicht einmal das verst\u00e4ndlich machen, was man verhandelt. Auch wird mit Aufhebung der Kenntnisse und Wissenschaften aller Anhalt f\u00fcr die F\u00fchrung des Lebens und die Besorgung der Gesch\u00e4fte unm\u00f6glich. Somit wird durch die Naturwissenschaft auch die Festigkeit gegen alle Todesfurcht und die Unersch\u00fctterlichkeit gegen die Drohungen der Religion gewonnen. Ist die Unwissenheit \u00fcber die verborgenen Dinge beseitigt, so tritt die Ruhe des Gem\u00fcths ein, und wenn die Natur der Begierden und ihrer Arten eingesehen ist, so folgt die M\u00e4ssigung. Mit jener erw\u00e4hnten Regel der Erkenntniss und mit dem von ihr geleiteten Urtheile wird die Unterscheidung des Wahren und Falschen gewonnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kap. XX.<br>\u00a7 65.<\/strong><br>So bleibt mir f\u00fcr unsre Besprechung nur noch ein wichtiger Gegenstand, die Freundschaft, deren M\u00f6glichkeit Ihr bestreitet, wenn die Lust das h\u00f6chste Gut sein soll. Epikur sagt von ihr, dass unter allen Dingen, welche die Weisheit f\u00fcr ein gl\u00fcckliches Leben beschaffen k\u00f6nne, keines gr\u00f6sser und fruchtbarer und angenehmer sei, als die Freundschaft; ein Ausspruch, den er nicht blos durch seine Studien, sondern noch mehr durch sein Leben, seine Thaten und Sitten best\u00e4tigt hat. Welch grosses Gut die Freundschaft ist, zeigen schon die Fabeln, welche die Alten erfunden haben. Obgleich seit dem entferntesten Alterthume dergleichen in grosser Zahl und Mannichfaltigkeit gedichtet worden sind, so finden sich von Theseus bis zu Orest doch kaum drei Freundschaftspaare darin. Welche gr\u00f6ssere Schaaren von Freunden, die in fester Liebe verbunden waren, hat dagegen Epikur in seinem einen und noch dazu kleinen Hause versammelt? Noch jetzt wiederholt sich dies bei den Epikureern. Doch ich komme zur Sache zur\u00fcck und brauche nicht von den Personen zu reden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 66.<\/strong><br>Ich finde, dass die Unsrigen in dreifacher Weise die Freundschaft besprochen haben. Die Einen leugnen, dass die auf Freundschaft bez\u00fcgliche Lust ebenso wie die eigene Lust um ihrer selbst willen zu suchen sei. Damit scheint Manchem die Festigkeit der Freundschaft ersch\u00fcttert; indess halten Jene an ihrem Ausspruch fest und helfen, wie mir scheint, sich leicht aus dieser Schwierigkeit heraus, indem sie behaupten, dass, wie nach dem Fr\u00fcheren die Tugenden, so auch die Freundschaft nicht ohne Lust sein k\u00f6nne. Ein einsames Leben ohne Freunde sei voll Gefahren und Furcht, deshalb fordere schon die Vernunft, sich Freunde zu erwerben; deren Erlangung gebe der Seele Vertrauen, und sie lasse sich dann die Hoffnung auf zu gewinnende Lust nicht nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 67.<\/strong><br>So wie der Hass, der Neid, die Geringsch\u00e4tzung der Lust zuwider sind, so sind die Freundschaften nicht blos die treuesten Besch\u00fctzer der Lust, sondern bewirken auch die Lust, nicht blos bei den Freunden, sondern auch bei sich selbst; sie gew\u00e4hren nicht blos einen gegenw\u00e4rtigen Genuss, sondern st\u00e4rken auch durch die Hoffnung auf die folgenden und sp\u00e4tern Zeiten. Wenn man also in keiner Weise ohne Freundschaft ein angenehmes Leben sich sicher und dauerhaft erhalten kann, und wenn man die Freundschaft, ohne die Freunde wie uns selbst zu lieben, nicht bewahren kann, so wird gerade dies in der Freundschaft verwirklicht und die Freundschaft mit der Lust verkn\u00fcpft; denn man erfreut sich an der Lust der Freunde wie an seiner eigenen und leidet ebenso mit ihren Aengsten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 68.<\/strong><br>Deshalb ist der Weise gegen seine Freunde ebenso gesinnt wie gegen sich selbst, und die M\u00fche, die er f\u00fcr seine eigene Lust, \u00fcbernehmen w\u00fcrde, \u00fcbernimmt er auch f\u00fcr die seiner Freunde. Alles, was von den Tugenden gesagt worden und von der Art, wie sie immer der Lust einwohnen, das gilt auch von der Freundschaft. Herrlich ist der Ausspruch Epikur\u2019s, der ohngef\u00e4hr so lautet: \u00bbDerselbe Grundsatz, welcher die Seele ermuthigt, kein Uebel als ein ewiges oder anhaltendes zu f\u00fcrchten, l\u00e4sst auch erkennen, dass w\u00e4hrend dieses Lebens der Schutz der Freundschaft der festeste ist.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 69.<\/strong><br>Manche Epikureer verhalten sich indess etwas verzagter gegen Euer Schimpfen, aber sind doch ganz scharfsinnig. Sie f\u00fcrchten, dass alle Freundschaft hinkend werden w\u00fcrde, wenn man sie nur der eignen Lust wegen begehrte. Nach ihnen erfolgt zwar das Zusammentreten, die Verbindung und der Wille zu gemeinsamem Umgang zuerst um der eignen Lust willen; wenn aber der fortgesetzte Verkehr die Vertraulichkeit herbeigef\u00fchrt habe, so erwachse daraus eine solche Liebe, dass die Freunde, auch wenn die Freundschaft keinen Nutzen gew\u00e4hrt, sich um ihrer selbst willen lieben. Sie meinen, dass man durch Gewohnheit ja schon Pl\u00e4tze, heilige Orte, St\u00e4dte, Gymnasien, das Feld, die Hunde, die Pferde, die Spiele, die Leibes\u00fcbungen und Jagden lieb zu gewinnen pflege; um so viel mehr und mit mehr Recht k\u00f6nne dies also auch f\u00fcr den Umgang mit Menschen geschehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 70.<\/strong><br>Man behauptet sogar, dass die Weisen einen Bund geschlossen haben, die Freunde nicht weniger wie sich selbst zu lieben; dies halte ich nicht allein f\u00fcr m\u00f6glich, sondern es ist auch oft geschehen, und es erhellt, dass eine solche Verbindung das trefflichste Mittel f\u00fcr ein angenehmes Leben sein muss. Aus Alledem kann man abnehmen, dass das Wesen der Freundschaft nicht leidet, wenn das h\u00f6chste Gut in die Lust gesetzt wird, sondern dass ohnedem die Verbindungen der Freundschaft \u00fcberhaupt nicht angetroffen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kap. XXI.<br>\u00a7 71.<\/strong><br>Wenn somit das, was ich gesagt, heller und klarer ist als die Sonne; wenn ich Alles als aus dem Quell der Natur gesch\u00f6pft dargelegt habe; wenn meine ganze Rede ihre Best\u00e4tigung durch die Sinne, als den unbestochenen und wahrhaften Zeugen, erh\u00e4lt; wenn die kleinen Kinder, ja selbst die stummen Thiere es unter F\u00fchrung ihrer Lehrerin Natur beinahe aussprechen, dass nur die Lust gl\u00fccklich mache und nur der Schmerz hart sei, und dieses ihr Urtheil weder verderbt noch bestochen ist, sollte man da dem Manne nicht Dank wissen, der diese Stimme der Natur gleichsam vernommen und so fest und ernst zusammengestellt hat, dass damit jeder Mensch mit gesunden Sinnen auf den Weg eines bes\u00e4nftigten, ruhigen, gelassenen, gl\u00fccklichen Lebens gelangen kann? Und wenn Du Epikur f\u00fcr wenig gelehrt h\u00e4ltst, so kommt es nur davon, dass ihm blos das als Gelehrsamkeit galt, was die Einrichtung des gl\u00fccklichen Lebens f\u00f6rdert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00a7 72.<\/strong><br>Sollte er etwa seine Zeit im Lesen der Dichter verbringen, wie ich und Triarius auf Deine Ermahnung thun, in denen nichts wahrhaft N\u00fctzliches, sondern nur ein kindisches Vergn\u00fcgen zu finden ist; oder sollte er sich wie Plato in der Erforschung der Musik, der Geometrie, der Zahlen und Gestirne aufreiben, die von falschen Anf\u00e4ngen ausgehn und deshalb nicht wahr sein k\u00f6nnen, und wenn sie es auch w\u00e4ren, doch zum angenehmeren, d.h. zum besseren Leben nichts beitragen w\u00fcrden; sollte er also diese K\u00fcnste treiben und daf\u00fcr jene grosse und m\u00fchsame, aber auch fruchtbringende Kunst des Lebens aufgeben? Sicherlich ist Epikur kein Ungelehrter, sondern jene sind es, welche meinen, dass sie das, was sie als Knaben schm\u00e4hlicher Weise zu lernen vers\u00e4umt haben, bis zu ihrem Greisenalter nachzuholen haben. \u2013 Torquatus schloss hier seine Rede mit den Worten: Ich habe meine Ansichten auseinandergesetzt, und zwar, um Dein Urtheil hier\u00fcber zu erfahren. Bisher hatte sich mir die Gelegenheit, dies ganz nach meinem Ermessen zu thun, niemals geboten.<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/web.archive.org\/web\/20060222075851\/http:\/\/www.klassikertexte.de\/cicero.html\">web.archive.org<\/a><\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary>Text auf Deutsch, Flie\u00dftext<\/summary>\n<p>Kap. I. (\u00a7 1.) Ich wusste wohl, mein Brutus, dass, als ich das, was die geistreichsten und gelehrtesten Philosophen in griechischer Sprache behandelt hatten, in lateinischer wiedergab, meine Arbeit mancherlei Tadel finden w\u00fcrde. Denn manchen und nicht gerade ungelehrten M\u00e4nnern gef\u00e4llt das Philosophiren \u00fcberhaupt nicht; andere wollen eine m\u00e4ssige Th\u00e4tigkeit hier wohl gestatten, aber meinen, dass man nicht so grossen Fleiss und so viele M\u00fche darauf verwenden d\u00fcrfe. Auch giebt es M\u00e4nner, die, mit den Schriften der Griechen vertraut, die lateinischen verachten und sagen, dass sie ihre M\u00fche lieber auf jene verwenden m\u00f6gen. Endlich werden auch Einige mich vermuthlich an andere Wissenschaften verweisen, weil diese Art von Schriftstellerei, trotz des Scharfsinns, doch nach ihrer Meinung meiner Person und W\u00fcrde nicht gezieme. (\u00a7 2.) Gegen alle Diese m\u00f6chte ich hier Einiges sagen. Den Tadlern der Philosophie habe ich zwar schon hinl\u00e4nglich in jener Schrift geantwortet, worin ich die von Hortensius angeklagte und getadelte Philosophie vertheidigt und gelobt habe, und da diese Schrift sowohl von Dir wie von Allen, denen ich ein Urtheil zutraue, gebilligt worden ist, so bin ich in diesen Arbeiten fortgefahren, damit es nicht scheine, als k\u00f6nnte ich das Interesse f\u00fcr diese Wissenschaft wohl erwecken, aber nicht dauernd erhalten. Wenn dagegen Manche, die dem wohl beistimmen, doch nur eine m\u00e4ssigere Th\u00e4tigkeit hier gestatten wollen, so fordern sie eine M\u00e4ssigung bei einem Gegenstande, wo sie schwer einzuhalten ist, und der, einmal aufgenommen, sich nicht in Schranken halten oder wieder bei Seite legen l\u00e4sst. Vielmehr m\u00f6chte ich dann eher Jenen beitreten, welche die Philosophie \u00fcberhaupt nicht zulassen wollen, als Diesen, die eine Schranke f\u00fcr einen Gegenstand ziehen, der unersch\u00f6pflich ist und um so besser wird, je gr\u00f6sser er wird. (\u00a7 3.) Denn wenn man die Weisheit wirklich erreichen kann, so muss man sie nicht blos erwerben, sondern auch geniessen, und wenn ihre Erwerbung schwer f\u00e4llt, so darf man doch der Erforschung der Wahrheit, bevor man sie erreicht hat, keine Schranke ziehen; auch bleibt die Erm\u00fcdung im Suchen da tadelnswerth, wo der gesuchte Gegenstand der sch\u00f6nste ist. Wenn ich aber an meiner Arbeit mich erg\u00f6tze, so kann doch nur der Neid mich davon abziehen wollen, und wenn ich mich dabei anstrenge, so darf doch ein Dritter fremdem Fleisse keine Grenze ziehen wollen. Wie der gutm\u00fcthige Chremes bei Terenz nicht will, dass sein neuer Nachbar \u00bbgrabe oder pfl\u00fcge oder sonst so etwas thue\u00ab (womit er ihn nicht von der Arbeit, sondern nur von der gemeinen K\u00f6rperarbeit abhalten will), so machen sich Manche \u00fcbertriebene Sorge, wenn sie an einer Arbeit Anstoss nehmen, welche mir keineswegs unangenehm ist. Kap. II. (\u00a7 4.) Schwerer sind Die zufrieden zu stellen, welche die lateinischen B\u00fccher ver\u00e4chtlich von sich weisen; nur wundert es mich bei diesen vor Allem, dass sie in den wichtigsten Dingen an ihrer Muttersprache keine Freude finden und doch die kleinen aus dem Griechischen w\u00f6rtlich in das Lateinische \u00fcbersetzten Geschichtchen nicht ungern lesen. Wer k\u00f6nnte wohl Allem, was den r\u00f6mischen Namen tr\u00e4gt, so feind sein, dass er des Ennius Medea und des Pacuvius Antiopa gering sch\u00e4tzte und zur\u00fcckwiese, w\u00e4hrend er sich an denselben St\u00fccken von Euripides gest\u00e4ndlich erg\u00f6tzt und nur die lateinischen Schriften hasst? Soll ich denn, h\u00f6re ich ihn sagen, des C\u00e4cilius Jugendgenossen und des Terenz Andria lesen und nicht lieber des Menander gleichnamige St\u00fccke? (\u00a7 5.) Allein ich kann dem durchaus nicht beistimmen. Wenn auch Sophokles seine Electra noch so sch\u00f6n verfasst hat, so meine ich doch auch die schlechte Uebersetzung des Attilius lesen zu sollen, den Licinius \u00bbeinen Schriftsteller von Eisen, aber doch immer einen Schriftsteller\u00ab nennt, der also gelesen werden soll. Mit unsern Dichtern ganz unbekannt zu sein, ist das Zeichen grosser Tr\u00e4gheit oder verz\u00e4rtelter Vornehmthuerei, und ich kann Niemand f\u00fcr einen ganzen Gelehrten anerkennen, der unsre Schriften gar nicht kennt. Oder soll man zwar das lateinische St\u00fcck: \u00bbO! dass nicht im Haine\u2026.\u00ab lesen, obgleich es auch griechisch vorhanden ist, aber soll es nicht gestattet sein, des Plato Ausf\u00fchrungen \u00fcber das gute und gl\u00fcckliche Leben lateinisch wiederzugeben? (\u00a7 6.) Wenn ich nicht blos den Dolmetscher mache, sondern das von Andern Gesagte, so weit ich es billige, vertheidige, mein eigenes Urtheil und meine Darstellungsweise dazu gebe, weshalb sollen da solche Arbeiten von guter Schreibart, die keine blossen Uebersetzungen aus dem Griechischen sind, dennoch den griechischen Schriften nachstehn? Wendet man ein, dass die Griechen dies schon Alles behandelt h\u00e4tten, so darf man dann auch nicht so viel griechische B\u00fccher lesen, als doch geschehen muss. Denn was h\u00e4tte wohl Chrysipp bei den Stoikern \u00fcbergangen? Und trotzdem liest man den Diogenes, Antipater, Mnesarchus, Pan\u00e4tius und viele Andere, insbesondere unsern Freund Posidonius. Und erg\u00f6tzt etwa Theophrast weniger, weil er das behandelt, was schon Aristoteles vor ihm behandelt hat? Stehen etwa die Epikureer davon ab, in ihren Schriften Gegenst\u00e4nde, \u00fcber die sowohl Epikur wie die Alten geschrieben haben, nach ihrem Gutd\u00fcnken zu behandeln? Und wenn die Griechen von den Griechen gelesen werden, sobald sie dieselben Gegenst\u00e4nde in anderer Weise behandeln, weshalb sollten da meine Schriften nicht von den Unsrigen gelesen werden? Kap. III. (\u00a7 7.) Wenn ich auch den Plato oder Aristoteles nur einfach so \u00fcbersetzte, wie unsre Dichter die Fabeln \u00fcbersetzt haben, so w\u00fcrde ich mich um meine Mitb\u00fcrger nicht wenig verdient machen, indem ich sie mit jenen g\u00f6ttlichen M\u00e4nnern bekannt machte. Ich habe es bis jetzt nicht gethan, glaube aber wohl, dass auch dies mir gestattet sein wird. Einzelne Stellen werde ich allerdings, wenn es mir passend scheint, \u00fcbersetzen; insbesondere bei jenen genannten M\u00e4nnern, wenn es sich trifft, dass es passend geschehen kann. Auch Ennius hat dies mit dem Homer, Afranius mit dem Menander so gemacht. Ich werde aber nicht, wie unser Lucilius, gewisse Leser zur\u00fcckweisen. Lebte doch nur jener Persius noch und vor Allem Scipio und Rutilius, deren Urtheil Lucilius scheute und der deshalb nur von den Tarentinern, Consentiern und Sicilianern gelesen sein wollte. Dies war ein zierlicher Ausspruch, wie wir deren auch anderw\u00e4rts bei ihm finden; allein so gelehrt waren diese Leute, um deren Urtheil er sich bem\u00fchte, damals noch nicht, und seine Schriften geh\u00f6ren zu den leichtern, die zwar durch grosse Feinheit, aber weniger durch Gelehrsamkeit sich auszeichnen. (\u00a7 8.) Welchen Leser sollte ich aber f\u00fcrchten, da ich es wage, diese meine Schrift an Dich zu richten, der Du selbst den Griechen in der Philosophie nichts nachgiebst? Allerdings hast Du mir den Anlass durch Dein mir so werthes Buch \u00fcber die Tugend gegeben, was ich von Dir erhalten habe. Vielleicht haben auch Manche einen Widerwillen gegen lateinische Schriften bekommen, weil sie auf gemeine und widerw\u00e4rtige Sachen gerathen sind, die aus schlechtem Griechisch in noch schlechteres Latein \u00fcbertragen worden sind; hier stimme ich ganz bei, sofern man nur auch griechische Schriften \u00fcber dergleichen nicht lesen mag. Wer wollte dagegen nicht Schriften lesen, die \u00fcber gute Gegenst\u00e4nde in gew\u00e4hlter Sprache ernst und sch\u00f6n abgefasst sind? Er m\u00fcsste denn durchaus als Grieche gelten wollen, wie Albucius, der vom Pr\u00e4tor Sc\u00e4vola zu Athen so begr\u00fcsst wurde. (\u00a7 9.) Lucilius hat auch dies sehr sch\u00f6n und durchaus witzig dargestellt, indem er den Sc\u00e4vola vortrefflich sagen l\u00e4sst: \u00bbLieber ein Grieche willst Du, Albucius, heissen und nicht ein R\u00f6mer oder Sabiner, oder ein Fahnentr\u00e4ger und Landsmann der Centurionen Pontius und Tritanus, jener wackern und ausgezeichneten M\u00e4nner? Also begr\u00fcsse ich, der Pr\u00e4tor, Dich in Athen bei Deinem Nahen mit griechischen Worten, wie Du es w\u00fcnschst. chaire! mein Titus! sage ich, und ihr, die Lictoren, die Cohorten und die Menge rufet: chaire Titus! \u2013 Seitdem hasst mich Albucius und ist mir feindlich gesinnt.\u00ab (\u00a7 10.) Aber Sc\u00e4vola hat Recht; ich kann nicht begreifen, woher diese \u00fcberm\u00fcthige Verachtung des Vaterl\u00e4ndischen kommt? Allerdings ist hier nicht der Ort, dies weitl\u00e4ufig auszuf\u00fchren, aber ich meine und habe es oft dargelegt, dass die lateinische Sprache keineswegs so arm ist, wie man immer sagt, sondern dass sie sogar reicher als die Griechische ist. Denn wann hat wohl je mir oder vielmehr den guten Rednern und Dichtern, wenigstens seit der Zeit, wo gute Muster zur Nachahmung vorhanden waren, irgend ein Schmuck der Rede zu deren F\u00fclle und Zierlichkeit gefehlt? Kap. IV. Wenn ich nun in den gerichtlichen Verhandlungen, M\u00fchen und Gefahren den Posten, auf den das r\u00f6mische Volk mich gestellt hatte, nicht glaube verlassen zu haben, so liegt mir f\u00fcrwahr auch ob, nach M\u00f6glichkeit dahin zu wirken, dass meine Mitb\u00fcrger durch meine Th\u00e4tigkeit, Fleiss und Anstrengungen kenntnissreicher werden, und ich mag mich nicht mit Denen herumstreiten, welche griechische B\u00fccher vorziehen \u2013 sofern sie sie nur wirklich lesen und es nicht blos vorgeben \u2013 vielmehr lieber Denen beistehen, welche die Schriften aus beiden Sprachen benutzen wollen, oder die, wenn sie die Schriften in ihrer eigenen Sprache besitzen, die in der andern nicht sehr vermissen. (\u00a7 11.) Wenn man aber meint, ich sollte lieber \u00fcber Anderes schreiben, so m\u00f6ge man billig bedenken, dass dies bereits vielfach geschehen ist, und zwar in gr\u00f6sserem Maasse, als von irgend einem der Unsrigen, und dass, wenn ich am Leben bleibe, noch Mehreres nachfolgen wird. Auch wird jeder aufmerksame Leser meiner philosophischen Schriften finden, dass sie mehr als andere des Lesens werth sind. Denn was verdient wohl im Leben gr\u00f6ssere Anstrengung als die Philosophie im Allgemeinen und insbesondere die in dieser Schrift enthaltenen Untersuchungen \u00fcber die h\u00f6chsten und letzten Ziele, auf die alle Entschl\u00fcsse \u00fcber gl\u00fcckliches Leben und rechtes Handeln zu beziehen sind, so wie \u00fcber das H\u00f6chste, was die Natur unter dem Begehrenswerthen verfolgt und unter dem Ueblen flieht? Ueber diese Fragen herrscht unter den einsichtigsten M\u00e4nnern grosse Uneinigkeit; weshalb sollte es deshalb meiner, von Allen anerkannten W\u00fcrde zuwider sein, wenn ich untersuche, was bei allen Aufgaben des Lebens das Beste und Richtigste ist? (\u00a7 12.) Ob das Kind einer Sclavin zur Nutzniessung geh\u00f6re, mag unter jenen angesehenen Staatsm\u00e4nnern, wie P. Sc\u00e4vola und Manius Manilius verhandelt werden, und M. Brutus mag hierbei anderer Ansicht sein; dergleichen sind scharfsinnige Untersuchungen, und sie haben ihren Nutzen f\u00fcr den ihrer eigenen Sprache besitzen, die in der andern nicht sehr vermissen. (\u00a7 11.) Wenn man aber meint, ich sollte lieber \u00fcber Anderes schreiben, so m\u00f6ge man billig bedenken, dass dies bereits vielfach geschehen ist, und zwar in gr\u00f6sserem Maasse, als von irgend einem der Unsrigen, und dass, wenn ich am Leben bleibe, noch Mehreres nachfolgen wird. Auch wird jeder aufmerksame Leser meiner philosophischen Schriften finden, dass sie mehr als andere des Lesens werth sind. Denn was verdient wohl im Leben gr\u00f6ssere Anstrengung als die Philosophie im Allgemeinen und insbesondere die in dieser Schrift enthaltenen Untersuchungen \u00fcber die h\u00f6chsten und letzten Ziele, auf die alle Entschl\u00fcsse \u00fcber gl\u00fcckliches Leben und rechtes Handeln zu beziehen sind, so wie \u00fcber das H\u00f6chste, was die Natur unter dem Begehrenswerthen verfolgt und unter dem Ueblen flieht? Ueber diese Fragen herrscht unter den einsichtigsten M\u00e4nnern grosse Uneinigkeit; weshalb sollte es deshalb meiner, von Allen anerkannten W\u00fcrde zuwider sein, wenn ich untersuche, was bei allen Aufgaben des Lebens das Beste und Richtigste ist? (\u00a7 12.) Ob das Kind einer Sklavin zur Nutzniessung geh\u00f6re, mag unter jenen angesehenen Staatsm\u00e4nnern, wie P. Sc\u00e4vola und Manius Manilius verhandelt werden, und M. Brutus mag hierbei anderer Ansicht sein; dergleichen sind scharfsinnige Untersuchungen, und sie haben ihren Nutzen f\u00fcr den b\u00fcrgerlichen Verkehr; auch lese ich solche und \u00e4hnliche Schriften gern und werde sie auch ferner lesen; aber sollen deshalb die Fragen vernachl\u00e4ssigt werden, welche das ganze Leben befassen? Jene Schriften m\u00f6gen beliebter sein, aber fruchtbringender sind sicherlich diese, wenn ich auch dem Urtheil der Leser hierin nicht vorgreifen mag. Ich glaube wenigstens in dieser Schrift die Frage \u00fcber das h\u00f6chste Gut und Uebel vollst\u00e4ndig behandelt zu haben, und ich habe nach M\u00f6glichkeit darin nicht blos meine eigenen Ansichten, sondern auch die Lehren der verschiedenen philosophischen Schulen dargelegt. Kap. V. (\u00a7 13.) Um mit dem Leichtesten zu beginnen, trage ich zun\u00e4chst die Lehre des Epikur vor, die am bekanntesten ist. Du wirst finden, dass ich sie so sorgf\u00e4ltig dargestellt habe, wie es nur die Anh\u00e4nger dieser Lehre selbst verm\u00f6gen; denn ich trachte nach der Wahrheit und nicht blos nach der Widerlegung meiner Gegner. Sehr sorgf\u00e4ltig wurden einmal fr\u00fcher des Epikur\u2019s Ansichten \u00fcber die Lust von L. Torquatus, einem in allen Wissenschaften erfahrenen Manne, vertheidigt. Ich selbst trat ihm damals entgegen, und C. Triarius, ein ernster und kenntnissreicher junger Mann, war bei der Er\u00f6rterung zugegen. (\u00a7 14.) Beide hatten mich n\u00e4mlich auf meinem Gute bei Cum\u00e4 besucht. Zun\u00e4chst wurde Einiges \u00fcber die Wissenschaften, die von Beiden mit dem h\u00f6chsten Eifer betrieben wurden, verhandelt; dann sagte Torquatus zu mir: Da wir Dich einmal frei von Gesch\u00e4ften angetroffen haben, so m\u00f6chte ich gern wissen, was Du an unserm Epikur, wenn auch nicht hassest, wie es von seinen Gegnern geschieht, aber doch missbilligst. Ich meine, dass nur er allein die Wahrheit erfasst, die Gem\u00fcther der Menschen von den gr\u00f6ssten Irrth\u00fcmern befreit und Alles gelehrt hat, was zu einem guten und gl\u00fccklichen Leben geh\u00f6rt. Ich vermuthe, dass er Dir und unserm Triarius nur deshalb missf\u00e4llt, weil er jenen Schmuck der Rede vernachl\u00e4ssigt hat, der sich bei Plato, Aristoteles und Theophrast findet; wenigstens kann ich kaum glauben, dass seine Lehre selbst Dir nicht f\u00fcr die wahre gelten sollte. \u2013 (\u00a7 15.) Da sieh, wie Du Dich irrst, Torquatus, erwiderte ich; sein Styl verletzt mich nicht, denn er dr\u00fcckt vollst\u00e4ndig aus, was er sagen will und in verst\u00e4ndlicher Weise. Wenn ich nun einen Philosophen, der die Beredsamkeit benutzt, nicht verachte, so tadle ich es doch auch nicht, wenn ein Anderer dies nicht thut. Aber Epikur befriedigt mich in der Sache selbst, und zwar bei vielen Punkten nicht. Indess kann ich mich t\u00e4uschen, denn: So viele K\u00f6pfe, so viele Sinne, sagt das Spr\u00fcchwort. \u2013 Weshalb gen\u00fcgt er Dir denn nicht? erwiderte Torquatus; denn ich halte Dich f\u00fcr einen billigen Richter, sofern Du nur seine Ansichten genau kennst. \u2013 (\u00a7 16.) Wenn nicht Ph\u00e4drus und Zeno, antwortete ich, die ich Beide geh\u00f6rt habe, mich belegen haben, so d\u00fcrfte ich wohl mit der ganzen Lehre Epikur\u2019s vertraut sein. Ich habe Beide mit unserm Freund Atticus fleissig geh\u00f6rt. Ihren emsigen Fleiss abgerechnet, hatten sie nicht meinen Beifall, aber Atticus bewunderte Beide und liebte den Ph\u00e4drus; deshalb besprachen wir t\u00e4glich das, was wir bei ihnen geh\u00f6rt hatten, und wenn ein Streit entstand, war es nicht, weil ich ihre Lehre nicht verstanden h\u00e4tte, sondern weil ich sie nicht billigte. \u2013 Kap. VI. (\u00a717.) Was k\u00f6nnte dies sein? fragte Torquator; ich m\u00f6chte wohl wissen, was Du nicht billigst. \u2013 Zun\u00e4chst, sagte ich, ist er in seiner Physik, auf die er sich am meisten, einbildet, durchaus ohne eigene Ansichten; er folgt hier dem Demokrit und \u00e4ndert nur wenig und dabei so, dass er das, was er verbessern will, mir zu verschlechtern scheint. Demokrit lehrt, dass die sogenannten Atome, d.h. die wegen ihrer Dichtheit untheilbaren K\u00f6rper in dem unendlichen Leeren, in dem es weder ein Oberstes noch ein Unterstes, weder eine Mitte noch einen Anfang oder Ende gebe, sich so bewegen, dass sie bei ihrem Zusammentreffen aneinander h\u00e4ngen blieben, und dass sich daraus alle vorhandenen und sichtbaren Dinge gebildet haben; auch soll diese Bewegung der Atome keinen Anfang gehabt haben, sondern m\u00fcsse als eine ewige angesehen werden. (\u00a7 18.) Epikur schwankt nun zwar da nicht, wo er dem Demokrit folgt; indess muss ich, abgesehen von vielen Punkten, wo ich ihnen nicht beitreten kann, insbesondere tadeln, dass sie, indem es sich bei der Erforschung der Natur doch um Zweierlei handelt, einmal, was der Stoff sei, aus dem alle Dinge gebildet sind, und zweitens, welche Kraft dies bewirke, \u00fcber den Stoff sich wohl ausgelassen, aber die Kraft und wirkende Ursache \u00fcbergangen haben. Dieser Fehler trifft sie Beide; Epikur hat aber noch seine eigenen Gebrechen; er meint, dass jene untheilbaren und dichten K\u00f6rper durch ihr eigenes Gewicht sich in gerader Linie nach unten bewegen, und dass dies die nat\u00fcrliche Bewegung aller K\u00f6rper sei. (\u00a7 19.) Allein da, wenn Alles, wie er sagt, in gerader Richtung sich nach unten bewegt, man nicht einsieht, wie ein Atom jemals das andere ber\u00fchren, k\u00f6nne, so stellt dieser scharfsinnige Mann als Verbesserung den Satz auf, dass die Atome ein wenig von der geraden Bewegung abweichen, und zwar so wenig wie m\u00f6glich. Dadurch sollen die Vereinigungen, Verbindungen und Anh\u00e4ngungen der Atome untereinander entstanden sein, aus denen die Welt und alle Dinge in ihr hervorgegangen seien. Allein einmal ist dies Alles nur eine knabenhafte Erfindung, und dann leistet sie nicht einmal das, was sie soll. Denn jene Abweichung bleibt eine willk\u00fcrliche Annahme, da sie ohne Ursache geschehen soll, obgleich einem Naturforscher doch nichts schlechter ansteht, als zu sagen, dass Etwas ohne Ursache geschehe; sodann nimmt er damit ohne Grund den Atomen jene von ihm selbst festgestellte nat\u00fcrliche Bewegung, verm\u00f6ge deren alles Schwere nach unten f\u00e4llt, ohne doch das, wozu ihm diese Erdichtung dienen soll, zu erreichen. (\u00a7 20.) Denn wenn alle Atome abweichen, so k\u00f6nnen sie niemals zusammentreffen; wenn aber nur ein Theil abweicht und die andern nach ihrer Schwere sich senkrecht bewegen, so weist er einmal den Atomen damit gleichsam Gebiete zu, wo sie sich entweder gerade oder schief bewegen sollen, und dann kann ein solches verworrenes Zusammentreffen der Atome die Sch\u00f6nheit dieser Welt nicht hervorbringen, ein Bedenken, was auch Demokrit mit trifft. Sodann darf kein Naturforscher lehren, dass es ein Kleinstes gebe; h\u00e4tte Epikur lieber sich die Geometrie von seinem Freunde Poly\u00e4nus lehren lassen, als sie ihn verlernen zu lassen, so w\u00fcrde er nie auf eine solche Meinung gekommen sein. Die Sonne hielt Demokrit f\u00fcr einen grossen K\u00f6rper, denn er war ein gelehrter und in der Geometrie bewanderter Mann; dagegen soll sie nach Epikur nur ohngef\u00e4hr einen Fuss gross sein, da er sie nur f\u00fcr so gross hielt, als sie erscheint, oder doch nur ein wenig gr\u00f6sser oder kleiner. \u2013 (\u00a7 21.) So verdirbt Epikur das, was er ver\u00e4ndert, und was er beibeh\u00e4lt, geh\u00f6rt ganz dem Demokrit an. Die Atome, das Leere, die Bilder, welche sie eidola nennen, durch deren Eindringen man nicht blos sieht, sondern auch denkt, die Unendlichkeit selbst, die sie apeiria nennen, geh\u00f6ren ganz dem Demokrit an; ebenso die unz\u00e4hligen Welten, welche t\u00e4glich entstehen und vergehen. Obgleich ich dem keineswegs zustimmen mag, so kann ich es doch nicht billigen, wenn der von Allen gelobte Demokrit gerade von Epikur, der ihm lediglich gefolgt ist, getadelt wird. Kap. VII. (\u00a7 22.) Was nun den zweiten Theil der Philosophie anlangt, den man die Logik nennt und welcher das Untersuchen und Er\u00f6rtern behandelt, so scheint mir Euer Philosoph darin sehr schwach und d\u00fcrftig. Er beseitigt die Definitionen, sagt nichts \u00fcber Eintheilungen und Abschnitte und lehrt nicht, wie der Vernunftschluss gebildet wird und wirkt; er zeigt auch nicht, auf welchem Wege das Verf\u00e4ngliche gel\u00f6st und das Zweideutige beseitigt werden kann. Das Urtheil \u00fcber die Dinge verlegt er in die Sinne, und ist durch diese einmal Falsches f\u00fcr Wahres geboten worden, so h\u00e4lt er jedes Kennzeichen der Wahrheit und Unwahrheit f\u00fcr aufgehoben. (\u00a7 23.) Vorz\u00fcglich aber begr\u00fcndet er den Satz, dass die Natur selbst, wie er sagt, ausw\u00e4hle und billige, n\u00e4mlich die Lust und den Schmerz; hierauf bezieht er Alles, was man vermeiden und dem man nachstreben solle. Allerdings ist auch Aristipp dieser Ansicht, und die Cyrenaiker haben sie besser und ungezwungener vertheidigt; aber dennoch kann es nach meinem Urtheil keine des Menschen unw\u00fcrdigere geben; vielmehr hat die Natur, wie mir scheint, zu Gr\u00f6sserem uns geschaffen und gebildet. Ich kann mich vielleicht irren; aber sicherlich hat doch jener Torquatus, der zuerst diesen Beinamen sich erwarb, die Halskette dem Feinde nicht deshalb entrissen, um damit sich irgendwie k\u00f6rperliche Lust zu verschaffen; noch hat er w\u00e4hrend seines dritten Consulats mit den Lateinern an der Veseris der Lust wegen gek\u00e4mpft. Als er aber seinen Sohn mit dem Beile hinrichten liess, scheint er sogar sich vieler Freuden beraubt zu haben, indem er das Recht der Majest\u00e4t und des Amtes h\u00f6her als die Natur und die v\u00e4terliche Liebe stellte. (\u00a7 24.) Und wie erkl\u00e4rt es sich denn, dass derjenige Torquatus, welcher mit Cn. Octavius Consul war, so streng gegen seinen Sohn verfuhr? Er hatte ihn aus der v\u00e4terlichen Gewalt entlassen, damit D. Silanus ihn an Kindesstatt annehmen konnte, und forderte ihn zur Verantwortung vor sich, als die macedonischen Gesandten ihn anklagten, er habe sich als Pr\u00e4tor in der Provinz bestechen lassen. Nach Anh\u00f6rung beider Theil f\u00e4llte er seinen Spruch dahin, dass sein Sohn sich in seinem Amte nicht so Schmerz; hierauf bezieht er Alles, was man vermeiden und dem man nachstreben solle. Allerdings ist auch Aristipp dieser Ansicht, und die Cyrenaiker haben sie besser und ungezwungener vertheidigt; aber dennoch kann es nach meinem Urtheil keine des Menschen unw\u00fcrdigere geben; vielmehr hat die Natur, wie mir scheint, zu Gr\u00f6sserem uns geschaffen und gebildet. Ich kann mich vielleicht irren; aber sicherlich hat doch jener Torquatus, der zuerst diesen Beinamen sich erwarb, die Halskette dem Feinde nicht deshalb entrissen, um damit sich irgendwie k\u00f6rperliche Lust zu verschaffen; noch hat er w\u00e4hrend seines dritten Consulats mit den Lateinern an der Veseris der Lust wegen gek\u00e4mpft. Als er aber seinen Sohn mit dem Beile hinrichten liess, scheint er sogar sich vieler Freuden beraubt zu haben, indem er das Recht der Majest\u00e4t und des Amtes h\u00f6her als die Natur und die v\u00e4terliche Liebe stellte. (\u00a7 24.) Und wie erkl\u00e4rt es sich denn, dass derjenige Torquatus, welcher mit Cn. Octavius Consul war, so streng gegen seinen Sohn verfuhr? Er hatte ihn aus der v\u00e4terlichen Gewalt entlassen, damit D. Silanus ihn an Kindesstatt annehmen konnte, und forderte ihn zur Verantwortung vor sich, als die macedonischen Gesandten ihn anklagten, er habe sich als Pr\u00e4tor in der Provinz bestechen lassen. Nach Anh\u00f6rung beider Theil f\u00e4llte er seinen Spruch dahin, dass sein Sohn sich in seinem Amte nicht so wie seine Vorfahren benommen habe, und er verbot ihm, wieder vor seine Augen zu kommen. Meinst Du, dass er dabei nur an sein Vergn\u00fcgen gedacht habe? Ich \u00fcbergehe die Gefahren, Anstrengungen und Schmerzen, welche die besten M\u00e4nner f\u00fcr das Vaterland und die Ihrigen \u00fcbernehmen, obgleich ihnen keine Lust dabei sich bietet. Sie gehen vielmehr Allem der Art vorbei und wollen lieber alle Schmerzen ertragen, als irgend eine ihrer Pflichten vers\u00e4umen; ich wende mich vielmehr zu geringern Dingen, welche dies nicht minder best\u00e4tigen. (\u00a7 25.) Welche Lust hast Du, mein Torquatus, und Du, unser Triarius, nicht von den Wissenschaften, von der Geschichte und der Kenntniss der Dinge und dem Auswendiglernen so vieler Verse? Sage mir nicht: \u00bbDies Alles an sich macht mir Vergn\u00fcgen, wie Jenes es den Torquatern gemacht hat.\u00ab Nirgends vertheidigt Epikur dies so, und auch Du nicht und Niemand, der Verstand hat oder seine Lehre kennt. Wenn man sich aber \u00fcber die grosse Zahl der Epikureer wundert, so giebt es mancherlei Ursachen daf\u00fcr; haupts\u00e4chlich wird die Menge davon angelockt, weil sie meint, das Gerechte und Sittliche gew\u00e4hre nach dessen Ausspruche, als solches, durch sich Freude und damit Lust. Die guten Leute sehen nicht ein, dass sein ganzes Lehrgeb\u00e4ude umst\u00fcrzen w\u00fcrde, wenn es sich so verhielte. Denn wenn Epikur zugest\u00e4nde, dass jene Dinge, auch wenn sie zur sinnlichen Lust nichts beitragen, doch um ihrer willen an sich selbst angenehm seien, so m\u00fcsste auch die Tugend und das Wissen um ihrer selbst willen erstrebt werden, was er keinesweges will. (\u00a7 26.) Diese Lehren Epikur\u2019s billige ich also, wie gesagt, nicht; im Uebrigen h\u00e4tte ich gew\u00fcnscht, er w\u00e4re unterrichteter in den Wissenschaften gewesen; denn er ist, wie ja auch Du anerkennen musst, in jenen Wissenschaften und K\u00fcnsten wenig bewandert, in deren Besitz man zu den Gelehrten gerechnet wird; wenigstens h\u00e4tte er Andere nicht von der Besch\u00e4ftigung mit den Wissenschaften abschrecken sollen, obwohl ich sehe, dass Du Dich keinesweges davon hast abschrecken lassen. Kap. VIII. Ich hatte dies mehr gesagt, um den Torquatus zu reizen, als um selbst das Wort zu f\u00fchren. Da sprach Triarius l\u00e4chelnd: Du hast ja den Epikur beinahe ganz aus dem Philosophen-Chor vertrieben; nichts hast Du ihm belassen, als dass Du, wie er auch sprechen mag, verstehst, was er sagt. In der Physik soll er nur die Lehre Anderer vorgetragen haben und selbst diese nicht so, dass Du es billigen kannst; wenn er etwas darin verbessern gewollt, so soll er es verschlechtert haben; die Kunst der Er\u00f6rterung soll ihm gefehlt haben, und wenn er die Lust f\u00fcr das h\u00f6chste Gut erkl\u00e4rt, so soll er erstens dies selbst nicht recht eingesehen haben und zweitens es ebenfalls Andern entlehnt haben. Denn schon vor ihm habe Aristipp dasselbe und besser gelehrt; zuletzt hast Du ihn sogar f\u00fcr keinen Gelehrten erkl\u00e4rt. \u2013 (\u00a7 27.) Darauf erwiderte ich: Es ist unm\u00f6glich, Triarius, dass man seine Missbilligung nicht da aussprechen soll, wo man anderer Ansicht ist. Was k\u00f6nnte mich hindern, ein Epikureer zu werden, wenn ich seine Lehre billigte? zumal da man sie spielend erlernen kann. Wenn sich deshalb M\u00e4nner verschiedener Ansicht tadeln, so verdient dies noch keine R\u00fcge; nur Schimpfreden, Verl\u00e4umdungen, Zorn, Zank, und hartn\u00e4ckigen Eigensinn bei den Besprechungen halte ich eines Philosophen nicht w\u00fcrdig. \u2013 (\u00a7 28.) Da sagte Torquatus: Ich bin ganz Deiner Meinung; man kann sich nicht streiten, ohne zu tadeln, und ebenso wenig kann man im Zorne oder Eigensinn gr\u00fcndlich er\u00f6rtern. Aber in der Sache selbst k\u00f6nnte ich wohl antworten, wenn es Euch nicht bel\u00e4stigt. \u2013 Glaubst Du, erwiderte ich, dass ich so gesprochen haben w\u00fcrde, wenn ich Dich nicht gern h\u00e4tte h\u00f6ren wollen ? \u2013 Soll ich also, sagte er, die ganze Lehre Epikur\u2019s durchgehen oder nur seine Lehre \u00fcber die Lust untersuchen, auf die ja aller Streit hinausgeht? \u2013 Mache es ganz, sagte ich, wie es Dir angemessen scheint. \u2013 Nun gut, erwiderte er, so mag es so sein; ich werde nur einen Gegenstand, aber den wichtigsten erl\u00e4utern. Ueber die Physik will ich ein andermal sprechen und hoffe Dir dann sowohl jene Abweichung der Atome wie die Gr\u00f6sse der Sonne zu beweisen, auch dass Epikur viele Irrth\u00fcmer Demokrit\u2019s aufgedeckt und verbessert hat. Ich beschr\u00e4nke mich also jetzt auf die Frage \u00fcber die Lust und werde dabei zwar nichts Neues beibringen, aber vertraue, dass auch Du das, was ich sage, billigen wirst. \u2013 Gewiss, antwortete ich, werde ich nicht eigensinnig sein, sondern Dir in Allem, was Du mir beweisen wirst, gern beistimmen. \u2013 (\u00a7 29.) Dies wird geschehen, wenn Du so billig bist, wie Du sagst. Ich werde indess dabei im Zusammenhange und fortgehend sprechen, ohne zu fragen oder mich fragen zu lassen. \u2013 Wie es Dir beliebt, sagte ich. Kap. IX. Er begann hierauf folgendermaassen: Zun\u00e4chst will ich so verfahren, wie es der Stifter dieser Lehre verlangt, und feststellen, was und welcher Art der Gegenstand unserer Untersuchung ist; nicht, weil ich meinte, es sei dies Euch unbekannt, sondern damit meine Darstellung begr\u00fcndet und geradeaus vorschreite. Wir suchen also das h\u00f6chste und \u00e4usserste Gut, was nach aller Philosophen Ansicht so beschaffen sein muss, dass alles Andere auf es zu beziehen ist, w\u00e4hrend es selbst durch nichts bedingt ist. Epikur setzt dasselbe in die Lust; er erkl\u00e4rt sie f\u00fcr das h\u00f6chste Gut und den Schmerz f\u00fcr das h\u00f6chste Uebel. (\u00a7 30.) Er zeigt dies in der Weise, dass jedes lebende Wesen von seiner Geburt ab nach der Lust verlange und sin hrer als des h\u00f6chsten Gutes erfreue, w\u00e4hrend es den Schmerz, als das h\u00f6chste Uebel, abweise und m\u00f6glichst von sich zur\u00fcckstosse. Dies geschehe von demselben, noch ehe es verdorben worden, lediglich nach dem reinen und unverf\u00e4lschten Antriebe seiner Natur. Es bed\u00fcrfe deshalb keiner Gr\u00fcnde und Beweise daf\u00fcr, weshalb die Lust zu erstreben und der Schmerz zu fliehen sei; dies lehre schon das Gef\u00fchl, so wie man wahrnehme, dass das Feuer w\u00e4rme, der Schnee weiss, der Honig s\u00fcss sei; f\u00fcr den Beweis dessen bed\u00fcrfe es keiner besonders ausgew\u00e4hlten Gr\u00fcnde, es gen\u00fcge, darauf aufmerksam zu machen. Denn die Beweisf\u00fchrung und Schlussfolgerung unterscheide sich von der einfachen Wahrnehmung und Beachtung; jene er\u00f6ffne das Verborgene und gleichsam Eingewickelte, diese urtheile \u00fcber das sofort Erfassbare und offen zu Tage Liegende. Nehme man dem Menschen seine Sinne, so verbleibe ihm Nichts; deshalb m\u00fcsse die Natur selbst beurtheilen, was ihr angenehm oder zuwider sei, und diese bemerke und erkenne als Ursache des Begehrens und Verabscheuens nur die Lust und den Schmerz. (\u00a7 31.) Doch m\u00f6chten Manche der Unsrigen dies noch scharfsinniger begr\u00fcnden; sie bestreiten deshalb, dass es gen\u00fcge, blos nach dem Gef\u00fchle zu bestimmen, was ein Gut und was ein Uebel sei; vielmehr k\u00f6nne man auch geistig und durch die Vernunft einsehen, dass die Lust um ihrer selbst willen zu suchen und der Schmerz um seiner selbst willen zu fliehen sei. Nach ihnen ist in der Seele des Menschen die nat\u00fcrliche und angeborne Vorstellung enthalten, dass das Eine zu suchen und das Andere zu fliehen sei. Andere dagegen, denen ich beistimme, meinen, dass man hier seiner Sache nicht zu sehr vertrauen d\u00fcrfe, da von verschiedenen Philosophen Vieles angef\u00fchrt sei, weshalb die Lust nicht zu den G\u00fctern und der Schmerz nicht zu den Uebeln zu rechnen sei; deshalb m\u00fcsse diese Frage \u00fcber die Lust und den Schmerz mit Gr\u00fcnden in genauern Er\u00f6rterungen und reiflichern Erw\u00e4gungen behandelt werden. Kap. X. (\u00a7 32.) Damit Ihr indess erkennt, woher dieser ganze Irrthum gekommen ist, und weshalb man die Lust anklagt und den Schmerz lobet, so will ich Euch Alles er\u00f6ffnen und auseinander setzen, was jener Begr\u00fcnder der Wahrheit und gleichsam Baumeister des gl\u00fccklichen Lebens selbst dar\u00fcber gesagt hat. Niemand, sagt er, verschm\u00e4he, oder hasse, oder fliehe die Lust als solche, sondern weil grosse Schmerzen ihr folgen, wenn man nicht mit Vernunft ihr nachzugehen verstehe. Ebenso werde der Schmerz als solcher von Niemand geliebt, gesucht und verlangt, sondern weil mitunter solche Zeiten eintreten, dass man mittelst Arbeiten und Schmerzen eine grosse Lust sich zu verschaften suchen m\u00fcsse. Um hier gleich bei dem Einfachsten stehen zu bleiben, so w\u00fcrde Niemand von uns anstrengende k\u00f6rperliche Uebungen vornehmen, wenn er nicht einen Vortheil davon erwartete. Wer d\u00fcrfte aber wohl Den tadeln, der nach einer Lust verlangt, welcher keine Unannehmlichkeit folgt, oder der einem Schmerze ausweicht, aus dem keine Lust hervorgeht? (\u00a7 33.) Dagegen tadelt und hasst man mit Recht Den, welcher sich durch die Lockungen einer gegenw\u00e4rtigen Lust erweichen und verf\u00fchren l\u00e4sst, ohne in seiner blinden Begierde zu sehen, welche Schmerzen und Unannehmlichkeiten seiner deshalb warten. Gleiche Schuld treffe Die, welche aus geistiger Schw\u00e4che, d.h. um der Arbeit und dem Schmerze zu entgehen, ihre Pflichten verabs\u00e4umen. Man kann hier leicht und schnell den richtigen Unterschied treffen; zu einer ruhigen Zeit, wo die Wahl der Entscheidung v\u00f6llig frei ist und nichts hindert, das zu thun, was den Meisten gef\u00e4llt, hat man jede Lust zu erfassen und jeden Schmerz abzuhalten; aber zu Zeiten trifft es sich in Folge von schuldigen Pflichten oder von sachlicher Noth, dass man die Lust zur\u00fcckweisen und Beschwerden nicht von sich weisen darf. Deshalb trifft der Weise dann eine Auswahl, damit er durch Zur\u00fcckweisung einer Lust daf\u00fcr eine gr\u00f6ssere erlange oder durch Uebernahme gewisser Schmerzen sich gr\u00f6ssere erspare. (\u00a7 34.) Wenn ich an diese Lehre verschaften suchen m\u00fcsse. Um hier gleich bei dem Einfachsten stehen zu bleiben, so w\u00fcrde Niemand von uns anstrengende k\u00f6rperliche Uebungen vornehmen, wenn er nicht einen Vortheil davon erwartete. Wer d\u00fcrfte aber wohl Den tadeln, der nach einer Lust verlangt, welcher keine Unannehmlichkeit folgt, oder der einem Schmerze ausweicht, aus dem keine Lust hervorgeht? (\u00a7 33.) Dagegen tadelt und hasst man mit Recht Den, welcher sich durch die Lockungen einer gegenw\u00e4rtigen Lust erweichen und verf\u00fchren l\u00e4sst, ohne in seiner blinden Begierde zu sehen, welche Schmerzen und Unannehmlichkeiten seiner deshalb warten. Gleiche Schuld treffe Die, welche aus geistiger Schw\u00e4che, d.h. um der Arbeit und dem Schmerze zu entgehen, ihre Pflichten verabs\u00e4umen. Man kann hier leicht und schnell den richtigen Unterschied treffen; zu einer ruhigen Zeit, wo die Wahl der Entscheidung v\u00f6llig frei ist und nichts hindert, das zu thun, was den Meisten gef\u00e4llt, hat man jede Lust zu erfassen und jeden Schmerz abzuhalten; aber zu Zeiten trifft es sich in Folge von schuldigen Pflichten oder von sachlicher Noth, dass man die Lust zur\u00fcckweisen und Beschwerden nicht von sich weisen darf. Deshalb trifft der Weise dann eine Auswahl, damit er durch Zur\u00fcckweisung einer Lust daf\u00fcr eine gr\u00f6ssere erlange oder durch Uebernahme gewisser Schmerzen sich gr\u00f6ssere erspare. (\u00a7 34.) Wenn ich an diese Lehre mich halte, weshalb sollte ich da f\u00fcrchten, sie mit dem Benehmen unserer Torquater nicht in Uebereinstimmung bringen zu k\u00f6nnen? Du hast ihrer eben in treuer Erinnerung und in freundschaftlicher und wohlwollender Gesinnung gedacht, aber ich werde mich durch dies Lob meiner Vorfahren nicht verf\u00fchren, noch in meinen Antworten bedenklich machen lassen. Ich bitte, in welcher Weise willst Du ihre Thaten erkl\u00e4ren? Sollten sie nach Deiner Meinung bei ihrem Anst\u00fcrmen gegen die bewaffneten Feinde oder bei ihrer H\u00e4rte gegen ihre Kinder und ihr Blut nicht au ihren Nutzen, nicht an ihren Vortheil gedacht haben? Aber nicht einmal die wilden Thiere handeln so; selbst diese st\u00fcrzen und st\u00fcrmen nicht so, dass man nicht einsehen k\u00f6nnte, wohin ihre Bewegungen und Spr\u00fcnge abzielen. (\u00a7 35.) Sollten da solche ausgezeichnete M\u00e4nner so grosse Thaten ohne Grund verrichtet haben? Welcher Grund hier gewirkt hat, werden wir bald sehen; vorl\u00e4ufig halte ich fest, dass, wenn sie wegen irgend eines Grundes dergleichen unzweifelhaft herrliche Thaten verrichtet haben, jedenfalls dann die Tugend an sich f\u00fcr sie nicht der Grund gewesen sein kann. Du sagst: Er hat dem Feinde die Halskette entrissen! \u2013 Aber er deckte sich auch, um nicht umzukommen. \u2013 Allein er hat sich doch einer grossen Gefahr ausgesetzt. \u2013 Ja, aber im Angesicht seines Heeres. \u2013 Aber was h\u00e4tte er damit erreicht? \u2013 Lob und Liebe, die sichersten Schutzmittel, um das Leben ohne Furcht zuzubringen. \u2013 Er hat seinen Sohn mit dem Tode bestraft. \u2013 H\u00e4tte er es ohne Grund gethan, so m\u00f6chte ich nicht der Nachkomme eines so schroffen und grausamen Mannes sein; that er es, um durch seinen Schmerz den Gehorsam und die Achtung vor seinem Feldherrnamt zu st\u00e4rken und das Heer in einem der schwersten Kriege durch die Furcht vor Strafe in Zucht zu erhalten, so hat er f\u00fcr das Wohl der B\u00fcrger gesorgt, in dem, wie er wusste, auch das seinige enthalten war. (\u00a7 36.) Und diese Gr\u00fcnde reichen weit. Alles, was Eure Reden R\u00fchmeswerthes beigebracht haben, und was insbesondere Du mit Eifer aus den alten Zeiten herbeigeholt hast, wo ber\u00fchmte und tapfre M\u00e4nner ihre Thaten nicht um eines Vortheils willen, sondern im Glanze der Rechtschaffenheit vollbracht haben sollen, dies Alles f\u00e4llt zusammen, wenn, wie ich gesagt, jene Auswahl unter den Dingen statthat und entweder eine Lust aufgegeben wird, um eine desto gr\u00f6ssere dadurch zu erlangen, oder wenn ein Schmerz \u00fcbernommen wird, um gr\u00f6sseren Schmerzen dadurch zu entgehen. Kap. XI. (\u00a7 37.) Damit d\u00fcrfte \u00fcber die gl\u00e4nzenden und ruhmvollen Thaten grosser M\u00e4nner hier genug gesagt sein, und ich werde bald eine passendere Gelegenheit haben, um die Richtung aller Tugenden nach der Lust hin darzulegen. Jetzt will ich erkl\u00e4ren, was und welcher Art die Lust selbst ist, um die irrigen Meinungen Unerfahrener zu beseitigen und zu zeigen, wie ernst, entschlossen und streng jene Lehre ist, die man f\u00fcr woll\u00fcstig, verz\u00e4rtelt und verweichlicht zu halten pflegt. Denn wir suchen nicht blos jene Lust, die durch ihre S\u00fcssigkeit die Natur von selbst erregt und von den Sinnen angenehm empfunden wird, sondern vor Allem die Lust, welche man durch die Entfernung allen Schmerzes empfindet. Denn wenn man vom Schmerz erl\u00f6st wird, so erfreut man sich gerade an dieser Befreiung und Leere von aller Unannehmlichkeit; Alles aber, dessen man sich erfreut, ist eine Lust, so wie Alles, was uns verletzt, ein Schmerz ist. Deshalb kann die Befreiung von allem Schmerz mit Recht eine Lust genannt werden. So wie der durch Speise und Trank gestillte Hunger und Durst lediglich mittelst der Beseitigung des Unangenehmen die Lust zur Folge hat, so bewirkt \u00fcberall die Beseitigung des Schmerzes als Folge die Lust. (\u00a7 38.) Deshalb nahm Epikur kein Mittleres zwischen Schmerz und Lust an, weil gerade jener Zustand, wo man von allen Schmerzen frei ist und welcher Manchem als das Mittlere erscheint, nicht blos eine Lust, sondern sogar die h\u00f6chste Lust ist. Jedweder, der sich erregt f\u00fchlt, muss entweder in Lust oder in Schmerz sich befinden. Mit der Beseitigung aller Schmerzen ist aber nach Epikur die h\u00f6chste Lust erreicht; man kann dann wohl die Art der Lust noch wechseln und unterscheiden, aber sie nicht mehr vergr\u00f6ssern und erweitern. (\u00a7 39.) In Athen befindet sich, wie ich von meinem Vater geh\u00f6rt habe, der damit die Stoiker witzig und fein verspottete, auf dem Topfmarkte eine Bilds\u00e4ule des Chrysipp mit vorgestreckter Hand, welche zeigen soll, wie er sich an folgendem kurzen Schluss erg\u00f6tzt habe: \u00bbBegehret Deine so ausgestreckte Hand, wie sie es jetzt ist, etwas? \u2013 Durchaus nichts. \u2013 Aber wenn die Lust ein Gut ist, so w\u00fcrde sie es begehren? \u2013 Ich glaube ja. \u2013 Also ist die Lust kein Gut.\u00ab Nicht einmal die Bilds\u00e4ule, meinte mein Vater, w\u00fcrde, wenn sie reden k\u00f6nnte, so sprechen; denn dieser Schluss treffe wohl die Cyrenaiker richtig, aber nicht den Epikur. Wenn nur dasjenige Lust w\u00e4re, was die Sinne so zu sagen kitzelt und mit S\u00fcssigkeit ihnen zufliesst und in sie eindringt, so k\u00f6nnte weder die Hand, noch irgend ein anderer Theil mit der blossen Schmerzlosigkeit ohne ein angenehmes Gef\u00fchl der Lust zufrieden sein; wenn aber die h\u00f6chste Lust nach Epikur in der Schmerzlosigkeit bestehe, so sei dem Chrysipp das Erste wohl richtig einger\u00e4umt worden, dass die Hand in solcher Haltung nichts begehre; aber man k\u00f6nne ihm nicht auch das Zweite zugestehen, dass sie die Lust begehren w\u00fcrde, wenn sie ein Gut sei; vielmehr geschehe dies von ihr nicht, weil Alles, was von Schmerzen frei sei, sich schon in der Lust befinde. Kap. XII. (\u00a7 40.) Dass nun die Lust das h\u00f6chste Gut ist, l\u00e4sst sich leicht daraus abnehmen, dass, wenn man sich einen Menschen vorstellt, der alle Lust der Seele und des K\u00f6rpers in hohem Maasse, in grosser Menge und ohne Unterlass geniesst, dabei weder durch Schmerzen gedr\u00fcckt, noch davon bedroht wird, man sich keinen bessern und w\u00fcnschenswerthern Zustand wie diesen denken kann. Ein Mensch in diesem Zustande muss eine Festigkeit der Seele besitzen, die weder den Tod noch die Schmerzen f\u00fcrchtet; denn im Tode hat man keine Empfindung mehr, und der Schmerz wird durch seine L\u00e4nge leichter, und ist er schwer, so pflegt er nur kurze Zeit zu w\u00e4hren, so dass \u00fcber dessen Schwere sein rasches Vor\u00fcbergehen und \u00fcber seine Dauer seine Leichtigkeit tr\u00f6stet. (\u00a7 41.) Dazu kommt, dass in solchem Zustande den Menschen kein g\u00f6ttliches Wesen \u00e4ngstigt und die vergangene Lust ihm nicht entschwindet; vielmehr freut er sich ihrer in steter Erinnerung. Wie k\u00f6nnte da noch irgend etwas Besseres zu solchem Zustande hinzutreten? Nimm dagegen Jemand, der von so grossen k\u00f6rperlichen und geistigen Schmerzen gebeugt wird, wie sie einen Menschen nur treffen k\u00f6nnen, der dabei keine Aussicht hat, dass sie sich lindern werden, und der weder jetzt eine Lust f\u00fchlt noch eine solche erwartet, kann man da einen noch elendern Zustand nennen oder sich vorstellen? Wenn ein von Schmerzen erf\u00fclltes Leben am meisten zu f\u00fcrchten ist, so ist offenbar ein Leben in Schmerzen das h\u00f6chste Uebel, und dem entspricht, dass ein Leben in Lust das h\u00f6chste ist. Denn unsre Seele hat sonst Nichts, was ihr als Endziel gelten k\u00f6nnte; alle Furcht und alle Krankheit wird auf den Schmerz zur\u00fcckgef\u00fchrt, und es giebt ausserdem Nichts, was seiner Natur nach Sorge oder Angst erwecken k\u00f6nnte. (\u00a7 42.) Ueberdem nimmt alles Begehren, alles Verabscheuen und alle Th\u00e4tigkeit ihren Anfang von der Lust oder dem Schmerz, und wenn dies richtig ist, so erhellt, dass alles Rechte und L\u00f6bliche auf ein von Lust erf\u00fclltes Leben abzielt. Wenn nun Das als das h\u00f6chste, oder letzte, oder \u00e4usserste Gut gelten muss (die Griechen nennen es telos), Was an sich selbst auf nichts Anderes bezogen wird, aber auf welches alles Andere bezogen wird, so muss man anerkennen, dass ein angenehmes Leben das h\u00f6chste Gut ist. Kap. XIII. Jene, welche dies h\u00f6chste Gut nur allein in die Tugend setzen und, durch den Glanz des Wortes geblendet, nicht erkennen, was die Natur verlangt, w\u00fcrden von diesem grossen Irrthume befreit werden, wenn sie den Epikur h\u00f6ren wollten. Denn wenn diese Eure vortrefflichen und sch\u00f6nen Tugenden zu keiner Lust f\u00fchrten, so w\u00fcrde sie Niemand f\u00fcr etwas L\u00f6bliches oder Begehrenswerthes halten. So sch\u00e4tzt man die Kunst der Aerzte nicht um ihrer selbst willen, sondern weil sie die Gesundheit bewirkt, und die Kunst des Steuermannes wird nicht als solche, sondern wegen ihres Nutzens f\u00fcr die gute Schifffahrt gelobt, und so w\u00fcrde auch die Weisheit, die nur als die Lebenskunst anzusehen ist nicht begehrt werden, wenn sie nichts bewirkte; man verlangt nach ihr nur, weil sie gleichsam der Werkmeister ist, der die Lust beschafft und bereitet. (\u00a7 43.) Ihr seht also, was ich unter der Lust verstehe; deshalb lasst Euch durch ihren verhassten Namen meine Rede nicht abschw\u00e4chen. Nur weil man die G\u00fcter und Uebel nicht kennt, wird das Leben haupts\u00e4chlich beschwerlich; wegen dieses Irrthums b\u00fcsst man oft die gr\u00f6ssten Freuden ein und wird von den h\u00e4rtesten Seelenschmerzen gepeinigt. Deshalb bedarf man der Weisheit, welche alle Strecken und Begierden beseitigt, alle dreisten, falschen Meinungen zerst\u00f6rt und sich damit als den sichersten F\u00fchrer zur Lust bew\u00e4hrt. Denn nur die Weisheit allein vermag die Seele von der Traurigkeit zu befreien; nur sie l\u00e4sst uns durch die Furcht nicht in Schrecken gerathen; unter ihrer F\u00fchrung kann man die Hitze aller Begierden k\u00fchlen und ein ruhiges Leben f\u00fchren. Denn die Begierden sind uners\u00e4ttlich; nicht blos Einzelne, sondern ganze Familien bringen sie in Lust f\u00fchrten, so w\u00fcrde sie Niemand f\u00fcr etwas L\u00f6bliches oder Begehrenswerthes halten. So sch\u00e4tzt man die Kunst der Aerzte nicht um ihrer selbst willen, sondern weil sie die Gesundheit bewirkt, und die Kunst des Steuermannes wird nicht als solche, sondern wegen ihres Nutzens f\u00fcr die gute Schifffahrt gelobt, und so w\u00fcrde auch die Weisheit, die nur als die Lebenskunst anzusehen ist nicht begehrt werden, wenn sie nichts bewirkte; man verlangt nach ihr nur, weil sie gleichsam der Werkmeister ist, der die Lust beschafft und bereitet. (\u00a7 43.) Ihr seht also, was ich unter der Lust verstehe; deshalb lasst Euch durch ihren verhassten Namen meine Rede nicht abschw\u00e4chen. Nur weil man die G\u00fcter und Uebel nicht kennt, wird das Leben haupts\u00e4chlich beschwerlich; wegen dieses Irrthums b\u00fcsst man oft die gr\u00f6ssten Freuden ein und wird von den h\u00e4rtesten Seelenschmerzen gepeinigt. Deshalb bedarf man der Weisheit, welche alle Strecken und Begierden beseitigt, alle dreisten, falschen Meinungen zerst\u00f6rt und sich damit als den sichersten F\u00fchrer zur Lust bew\u00e4hrt. Denn nur die Weisheit allein vermag die Seele von der Traurigkeit zu befreien; nur sie l\u00e4sst uns durch die Furcht nicht in Schrecken gerathen; unter ihrer F\u00fchrung kann man die Hitze aller Begierden k\u00fchlen und ein ruhiges Leben f\u00fchren. Denn die Begierden sind uners\u00e4ttlich; nicht blos Einzelne, sondern ganze Familien bringen sie in das Verderben, ja oft ersch\u00fcttern sie selbst den Staat. (\u00a7 44.) Von den Begierden kommt der Hass, die Uneinigkeit, der Streit, der Aufruhr, der Krieg. Auch werfen sie sich nicht blos nach Aussen und st\u00fcrzen in blindem Ungest\u00fcm nicht blos auf Andere, sondern auch innerlich, in der Seele eingeschlossen, streiten und bek\u00e4mpfen sie sich selbst und verbittern damit das Leben. Deshalb kann nur der Weise, der alle Eitelkeit und allen Irrthum von sich abgethan und beseitigt hat, zufrieden in den von der Natur gesetzten Schranken ohne Aerger und Furcht sein Leben verbringen. (\u00a7 45.) Denn welche Unterscheidung ist wohl n\u00fctzlicher und f\u00fcr ein gutes Leben geeigneter, als die, welche Epikur gezogen hat? In die eine Klasse der Begierden stellte er die nat\u00fcrlichen und zugleich nothwendigen, in die zweite die nat\u00fcrlichen, aber nicht nothwendigen, und in die dritte die, welche weder nat\u00fcrlich noch nothwendig sind. Ihr Verh\u00e4ltniss ist der Art, dass die notwendigen ohne viele M\u00fche und Kosten sich befriedigen lassen. (\u00a7 46.) Ebenso verlangen auch die nat\u00fcrlichen nicht viel, weil die Natur selbst die G\u00fcter, mit denen sie zufrieden ist, bereitet und abgrenzt; nur von den eitlen Begierden kann weder ein Maass noch ein Ende gefunden werden. Kap. XIV. Wenn man sieht, wie der Irrthum und die Unwissenheit das ganze Leben in Verwirrung bringt, und wie nur die Weisheit uns vor dem Ungest\u00fcm der L\u00fcste und den Schrecknissen der Furcht sch\u00fctzt; wie sie selbst das Unrecht des Schicksals uns mit Geduld ertragen lehrt und die Wege weist, welche zur Ruhe und zur Freiheit von Gem\u00fcthsbewegungen f\u00fchren, wie konnte man da zweifeln und nicht offen anerkennen, dass die Weisheit wegen Gewinnung der Lust zu erstreben und die Unwissenheit wegen des Ungemachs zu fliehen sei! (\u00a7 47.) Aus demselben Grunde wird, nach unsrer Lehre, auch die M\u00e4ssigkeit nicht um ihrer selbst willen gesucht, sondern weil sie der Seele den Frieden bringt und die Gem\u00fcther gleichsam durch eine gewisse Eintracht beruhigt und bes\u00e4nftigt. Denn die M\u00e4ssigkeit ist es, welche uns ermahnt, in dem Begehren und dem Fliehen der einzelnen Dinge der Vernunft zu folgen, da es nicht gen\u00fcgt, dass man richtig beurtheile, was zu thun und zu unterlassen sei, sondern dass man auch an diesem Urtheile festhalte. Die meisten Menschen k\u00f6nnen nicht bei dem, was sie selbst beschlossen haben, beharren und verbleiben, sondern lassen sich durch den entgegentretenden Reiz der Lust besiegen und verf\u00fchren. Damit begeben sie sich in die Fesseln ihrer L\u00fcste, sehen das Kommende nicht voraus und gerathen deshalb um einer geringen Lust willen, die entweder vermeidlich war, oder die auf andere Weise erlangt werden konnte, oder die sie allenfalls auch ohne Schmerzen entbehren konnten, theils in schwere Krankheiten, theils in Schaden, theils in Schande, ja, oft verfallen sie auch den Strafen der Gerichte und Gesetze. (\u00a7 48.) Wer aber die Lust so zu geniessen vermag, dass kein Schmerz daraus f\u00fcr ihn hervorgeht, und wer in seinen Urtheilen zur\u00fcckh\u00e4lt, um nicht, durch die Lust besiegt, das zu thun, was nach der eigenen Ansicht nicht geschehen soll, der erreicht gerade durch Beiseiteschiebung solcher Lust die h\u00f6chste Lust, und der ertr\u00e4gt auch oft einen Schmerz, um nicht sonst in einen gr\u00f6sseren zu gerathen. Hieraus erhellt, dass auch die Unm\u00e4ssigkeit nicht um ihrer selbst willen zu fliehen ist, und dass man die M\u00e4ssigkeit nicht begehrt, weil sie die Lust flieht, sondern weil sie die gr\u00f6ssere Lust bereitet. Kap. XV. (\u00a7 49.) Dasselbe wird sich auch f\u00fcr die Tapferkeit ergeben. Denn weder die Verrichtung einer Arbeit noch das Erleiden eines Schmerzes lockt an sich an; auch thut dies nicht die Geduld, die Emsigkeit, das Nachtwachen, ja, selbst der vielger\u00fchmte Fleiss und selbst die Tapferkeit nicht; vielmehr folgt man ihren Geboten nur, damit man ohne Sorgen und Furcht leben k\u00f6nne und man Seele und Leib nach M\u00f6glichkeit vor Ungemach bewahre. So wie die Todesfurcht den ganzen Zustand eines ruhigen Lebens verwirrt, und so wie es j\u00e4mmerlich ist, wenn man den Schmerzen unterliegt oder sie nur mit gedr\u00fccktem oder schw\u00e4chlichem Sinne ertr\u00e4gt, und wie ob dieser Geistesschw\u00e4che Viele ihre Eltern, Viele ihre Freunde, Manche ihr Vaterland, die Meisten aber sich selbst g\u00e4nzlich ins Verderben gest\u00fcrzt haben, so h\u00e4lt sich umgekehrt ein starker und erhabener Sinn frei von aller Angst und Sorge und verachtet selbst den Tod; denn wer davon getroffen wird, ist eben nur so daran, als wie vor seiner Geburt. Ein solcher ist bereit, Schmerzen zu ertragen, denn er weiss, dass die gr\u00f6ssten mit dem Tode enden, dass die kleinen viele Pausen der Ruhe haben und dass man Herr der m\u00e4ssigen Schmerzen werden kann, so dass die ertr\u00e4glichen ausgehalten werden k\u00f6nnen, und bei den h\u00e4rteren man mit Seelenruhe das Leben, wenn es nicht gef\u00e4llt, wie ein Theater verlassen kann. Daraus ergiebt sich, dass die Furchtsamkeit und Tr\u00e4gheit nicht ihretwegen getadelt und die Tapferkeit und Gelassenheit nicht ihretwegen gelobt werden; sondern man verwirft jene, weil sie Schmerzen, und w\u00e4hlt diese, weil sie Lust bereiten. Kap. XVI. (\u00a7 50.) So bleibt nur noch die Gerechtigkeit, um alle Tugenden behandelt zu haben. Auch von ihr kann indess das Gleiche gesagt werden. So wie ich gezeigt habe, dass die Weisheit, M\u00e4ssigkeit und Tapferkeit mit der Lust in der Art verbunden sind, dass sie in keiner Weise von ihr getrennt und abgesondert werden k\u00f6nnen, so gilt dies auch von der Gerechtigkeit, die nicht allein niemals Jemandem schadet, sondern immer durch ihre Kraft und Natur beitr\u00e4gt, das Gem\u00fcth zu beruhigen und die Hoffnung zu erhalten, dass Nichts von dem fehlen werde, dessen ein unverdorbener Mensch bedarf. So wie die Verwegenheit, die Ausgelassenheit und Tr\u00e4gheit die Seele immer peinigen, immer aufregen und st\u00f6ren, so beunruhigt auch die Unredlichkeit, wenn sie in dem Gem\u00fcth sich festgesetzt hat, durch ihre blosse Gegenwart; wenn sie etwas unternimmt, kann sie trotz aller Heimlichkeit doch nicht sicher sein, dass es immer verborgen bleiben werde; denn in der Regel folgt den Handlungen des Unredlichen zun\u00e4chst der Verdacht, dann erhebt sich das Gerede und Ger\u00fccht, dann der Ankl\u00e4ger und zuletzt der Richter, ja, Viele zeigen sich selbst an, wie w\u00e4hrend Deines Consulats geschah. (\u00a7 51.) Selbst wenn Einzelne sich gen\u00fcgend gegen alles Bekanntwerden gesch\u00fctzt und verwahrt zu haben d\u00fcnken, bleibt ihnen doch die Furcht vor den G\u00f6ttern, und sie halten jene Angst, die ihr Gem\u00fcth \u00bbTag und Nacht\u00ab verzehrt, f\u00fcr eine von den unsterblichen G\u00f6ttern verh\u00e4ngte Strafe. Wie kann wohl aus unrechten Handlungen eine so grosse Minderung der Unannehmlichkeiten des Lebens hervorgehen, dass sie die aus dem Bewusstsein der Unthaten, aus der Strafe der Gesetze und dem Hass der B\u00fcrger hervorgehende Steigerung derselben die Wage hielte? Und doch giebt es Menschen, die weder in dem Streben nach Geld, noch nach Ehren, nach Herrschaft, nach sinnlicher Lust, nach leckem Mahlzeiten und neuen Annehmlichkeiten Maass halten. Keine Beute, die sie aus ihren Unthaten gewonnen haben, mindert ihre Begierden; sie werden dadurch nur heftiger, und nur Zwang, aber nicht Ermahnung kann sie im Zaume halten. (\u00a7 52.) So empfiehlt die wahre Vernunft dem Verst\u00e4ndigen die Gerechtigkeit, die Billigkeit, die Treue. Schon dem ungeschickten, dem schwachen Menschen n\u00fctzt sein Unrechtthun nichts, da er seine Pl\u00e4ne nicht leicht auszuf\u00fchren und, wenn es geschieht, das Erreichte nicht festzuhalten vermag. Aber auch die Macht an Geist und Verm\u00f6gen passt besser zu einem edlen Sinne, denn durch einen solchen erlangt man das Wohlwollen der Menschen und, was f\u00fcr die Ruhe des Lebens noch wichtiger ist, ihre Liebe, weil aller Anlass zum Unrechtthun dann fehlt. (\u00a7 53.) Denn die nat\u00fcrlichen Begierden k\u00f6nnen leicht und ohne Verletzung Anderer befriedigt werden, und den eitlen Begierden darf man nicht nachgeben, da sie kein W\u00fcnschenswerthes begehren und in dem Unrecht selbst mehr Schaden enthalten ist, als Vortheil in den Dingen, die durch das Unrecht erlangt werden. Deshalb kann man auch von der Gerechtigkeit nicht sagen, dass sie um ihrer selbst willen begehrenswerth sei; sie ist es nur, weil sie zur Annehmlichkeit des Lebens am meisten beitr\u00e4gt. Geliebt zu werden und Andern theuer zu sein, ist angenehm, weil das Leben dadurch sicherer und die Lust vollst\u00e4ndiger wird. Wir meinen daher, dass die Unredlichkeit nicht blos deshalb zu fliehen sei, weil sie dem Unredlichen Nachtheil bringt, sondern weit mehr noch, weil sie das von ihr eingenommene Gem\u00fcth niemals zu Athem und Ruhe kommen l\u00e4sst. (\u00a7 54.) Wenn sonach selbst das Lob der Tugenden, in dem sich die Ausf\u00fchrungen der \u00fcbrigen Philosophen haupts\u00e4chlich so stolz ergehen, zu keinem Ergebnisse f\u00fchren kann, so lange es nicht auf die Lust gerichtet wird, und wenn die Lust allein es ist, die uns durch ihre Natur anruft und anlockt, so kann es nicht zweifelhaft sein, dass sie das h\u00f6chste und \u00e4usserste Gut ist, und dass das gl\u00fcckliche Leben nur in einem von Lust erf\u00fcllten Leben besteht. Kap. XVII. (\u00a7 55.) Ich will nun kurz darlegen, was mit diesem festen und gesicherten Grundsatz verkn\u00fcpft ist. In dem h\u00f6chsten Gut und Uebel, d.h. in der Lust oder in dem Schmerze, kann man sich nicht irren, aber wohl kann man in den Gegenst\u00e4nden fehlgreifen, wenn man nicht weiss, aus welchen Ursachen jene hervorgehen. Wir gestehen, dass die Lust und der Schmerz der Seele aus der Lust und dem Schmerz des K\u00f6rpers entsteht. Ich gebe deshalb zu, dass, wenn Einzelne von uns hier anderer Ansicht sind, dies, wie Du sagtest, die Sache verloren macht; es sind dies zwar Viele, aber doch nur Unerfahrene. Wenn auch die Lust der Seele uns Freude macht und ihr Schmerz uns unangenehm ist, so entspringen doch beiderlei Gef\u00fchle aus dem K\u00f6rper und werden auf ihn bezogen. Doch kann trotzdem die Lust und der Schmerz der Seele viel gr\u00f6sser als die des K\u00f6rpers sein; denn mit dem K\u00f6rper kann man nur das Gegenw\u00e4rtige und Anwesende empfinden, mit der Seele aber auch das Vergangene und Kommende. Wenn man auch bei k\u00f6rperlichen Schmerzen ebenso in der Seele leidet, so kann doch dieses Gef\u00fchl erheblich steigen, wenn man meint, von einem dauernden und endlosen Uebel bedroht zu sein; und dasselbe gilt von der Lust, sie steigt, wenn man nichts dergleichen bef\u00fcrchtet. (\u00a7 56.) So erhellt schon hieraus, dass die gr\u00f6sste Lust und der gr\u00f6sste Schmerz der Seele von h\u00f6herer Bedeutung f\u00fcr das gl\u00fcckliche oder elende Leben ist, als beiderlei Empfindung, wenn sie gleich lange im K\u00f6rper ist. Nach unserer Ansicht folgt aus der Entziehung der Lust nicht sofort die Traurigkeit; es m\u00fcsste denn an Stelle der Lust zuf\u00e4llig ein Schmerz getreten sein; aber umgekehrt erfreut der Nachlass der Schmerzen, auch wenn keine die Sinne erregende Lust nachfolgt, und daraus kann man ersehn, welche grosse Lust in der Schmerzlosigkeit enthalten ist. (\u00a7 57.) Ebenso wie man durch die G\u00fcter, welche man erwartet, aufgerichtet wird, freut man sich ihrer in der Erinnerung. Nur die Thoren qu\u00e4len sich mit dem Andenken der vergangenen Schmerzen, w\u00e4hrend der Weise sich an den vergangenen G\u00fctern erfreut, die er in dankbarer Erinnerung sich erneut; denn es liegt in unserer Macht, das Unangenehme gleichsam in ewiges Vergessen zu h\u00fcllen und des Angenehmen sich gern und freudig zu erinnern. Betrachtet man aber das Vergangene scharf und aufmerksam, so ereignet es sich, dass, wenn es ein Uebel gewesen, man traurig, und wenn es ein Gut gewesen, man fr\u00f6hlich wird. Kap. XVIII. Oh! wie herrlich und offen und leicht und gerade aus f\u00fchrt nicht dieser Weg zum gl\u00fccklichen Leben! Wenn es nichts Besseres f\u00fcr den Menschen geben kann, als frei zu sein vor jedem Schmerz und Unbehagen und die h\u00f6chste Lust der Seele und des K\u00f6rpers zu gemessen, seht Ihr da nicht, dass dann nichts, was das Leben f\u00f6rdert, \u00fcbersehen ist, um das erstrebte h\u00f6chste Gut so leicht als m\u00f6glich zu erreichen. Epikur hat es laut genug ausgesprochen, dass Der, welcher, wie Ihr sagt, den L\u00fcsten zu sehr ergeben ist, nicht angenehm leben k\u00f6nne, wenn er nicht weise, anst\u00e4ndig und gerecht lebe, und dass er nicht weise, anst\u00e4ndig und gerecht lebe, wenn er nicht angenehm lebe. (\u00a7 58.) Denn selbst ein Staat kann im Aufruhr nicht gl\u00fccklich sein, noch ein Haus, wenn die Herren uneinig sind; viel weniger kann daher die Seele, welche in Streit und Uneinigkeit mit sich selbst ist, irgend etwas von der reinen und feinern Lust geniessen. Wessen Absichten und Bestrebungen immer einander widersprechend und im Streit sind, der kann von Ruhe und Zufriedenheit nichts empfinden. (\u00a7 59.) Wenn schon durch schwere Krankheiten des K\u00f6rpers die Annehmlichkeiten des Lebens gehemmt werden, um wie viel mehr muss das durch Krankheiten der Seele geschehen. Die Krankheiten der Seele bestehn eben in den ungem\u00e4ssigten und eitlen Begierden nach Reichthum, Ruhm, Herrschaft und sinnlicher Lust; dazu kommen Verstimmung, Traurigkeit, Kummer, welche den Geist verzehren und durch Sorgen ersch\u00f6pfen, wenn der Mensch \u00fcbersieht, dass die Seele nur das schmerzen kann, was jetzt oder sp\u00e4ter mit k\u00f6rperlichen Schmerzen verkn\u00fcpft ist; jeder Thor leidet an einer von diesen Krankheiten, und jeder ist deshalb elend. (\u00a7 60.) Dazu kommt noch der Tod, der, wie der Fels \u00fcber dem Tantalus, immer \u00fcber ihnen h\u00e4ngt, und der Aberglaube, bei dem der davon Erf\u00fcllte niemals ruhig werden kann. Dabei denken Solche weder an das vergangene Gute, noch geniessen sie das gegenw\u00e4rtige, und w\u00e4hrend sie das Kommende erwarten, werden sie, da hier Gewissheit nicht m\u00f6glich ist, von Angst und Furcht niedergedr\u00fcckt und schwer gepeinigt. Erst sp\u00e4t werden sie inne, dass sie vergebens sich um Geld oder Macht oder Reichthum oder Ruhm gem\u00fcht haben, wenn sie die Lust nicht erlangen, wegen der sie so viel und so schwer in der brennenden Erwartung, sie zu erreichen, sich geplagt haben. (\u00a7 61.) Nun schaut auch auf jene kleinlichen und \u00e4ngstlichen Seelen, die entweder an Allem verzagen oder boshaft, neidisch, schwerf\u00e4llig, lichtscheu, verl\u00e4umderisch, scheusslich sind, oder schaut auf Andere, die sinnlichen Ausschweifungen ergeben, oder muthwillig, tollk\u00fchn und waghalsig und zugleich unm\u00e4ssig und tr\u00e4ge niemals bei einer Meinung beharren. Deshalb h\u00f6ren in dem Leben solcher Leute die Unannehmlichkeiten niemals auf, und deshalb ist kein Thor gl\u00fccklich und kein Weiser ungl\u00fccklich. Unsere Gr\u00fcnde f\u00fcr diesen Satz sind weit besser als die der Stoiker; denn diese wollen nur, ich weiss nicht welches Schattenbild f\u00fcr ein Gut anerkennen, was sie mit einem weniger gehaltvollen als blendenden Namen das Rechte nennen; die auf dies Rechte gest\u00fctzte Tugend soll keiner Lust bed\u00fcrfen, sondern allein zum gl\u00fccklichen Leben gen\u00fcgen. Kap. XIX. (\u00a7 62.) Allerdings kann dies in einem gewissen Sinne behauptet werden, ohne dass wir dem entgegentreten; im Gegentheil, wir stimmen zu, da Epikur das Gl\u00fcck des Weisen immer so beschreibt, dass er seine Begierden in Schranken h\u00e4lt, den Tod nicht scheut, in Betreff der unsterblichen G\u00f6tter ohne alle Furcht ist, die Wahrheit kennt und nicht ansteht, das Leben zu verlassen, wenn es so besser ist. So ausger\u00fcstet, befindet der Weise sich stets in der Lust; zu jeder Zeit \u00fcberragt bei ihm die Lust den Schmerz, da er des Vorgegangenen sich dankbar erinnert und das Gegenw\u00e4rtige in seiner ganzen F\u00e4lle und Annehmlichkeit bewusst erfasst; er sorgt sich nicht um das Kommende, sondern geniesst in dessen Erwartung das Gegenw\u00e4rtige. So ist er von jenen Fehlern, die ich vorhin erw\u00e4hnte, v\u00f6llig frei und wird von einer hohen Freude erf\u00fcllt, wenn er das Leben des Thoren mit dem seinigen vergleicht. Treffen den Weisen einmal Schmerzen, so sind sie doch nie von einer solchen St\u00e4rke, dass er nicht immer mehr haben sollte von dem, was ihn erfreut, als von dem, was ihn \u00e4ngstigt. (\u00a7 63.) Vortrefflich ist der Ausspruch Epikur\u2019s, dass das Schicksal dem Weisen nur wenig in den Weg trete; dass die gr\u00f6ssten und wichtigsten Angelegenheiten nach seinem Rath und seiner Anweisung besorgt werden, und dass selbst ein unendlich langes Leben nicht mehr Lust gew\u00e4hren k\u00f6nne, als schon das jetzige beschr\u00e4nkte gew\u00e4hre. Von Eurer Dialektik meinte er, dass sie kein Mittel zum bessern Leben sei und selbst bei den Er\u00f6rterungen nichts n\u00fctze; auf die Naturwissenschaften legte er aber grosses Gewicht; durch sie k\u00f6nne auch die Kraft der Worte, die Natur der Rede und das Verh\u00e4ltniss der Einstimmung und des Widerstreits erkannt werden, und durch die Erkenntniss der Natur aller Dinge werde man allein von dem Aberglauben befreit, von der Todesfurcht erl\u00f6st und nicht irregef\u00fchrt durch jene Unkenntniss der Dinge, welche oft ausserordentliche Schrecknisse veranlasse. Selbst sittlich besser werde man, wenn man gelernt habe, was die Natur verlangt. H\u00e4lt man die Erkenntniss der Dinge unverr\u00fcckt fest und bewahrt man dabei jene Regel, die f\u00fcr die Erkenntniss der Dinge gleichsam vom Himmel gefallen ist und nach der sich alle Urtheile \u00fcber die Dinge bestimmen, so wird man niemals, durch die Rede eines Andern besiegt, seine Meinung aufzugeben brauchen. (\u00a7 64.) Aber ohne Erkenntniss der Natur der Dinge wird man niemals die Anspr\u00fcche der Sinne vertheidigen k\u00f6nnen. Ueberdem kommt Alles, was man im Geiste sieht, von den Sinnen, und man kann nur dann mittelst ihrer Etwas wahrnehmen und erkennen, wenn sie s\u00e4mmtlich als wahrhaft gelten, wie Epikur\u2019s Lehre besagt. Erkennt man dies nicht an und leugnet man eine Erkenntniss durch die Sinne, so kann man bei solcher Beseitigung derselben nicht einmal das verst\u00e4ndlich machen, was man verhandelt. Auch wird mit Aufhebung der Kenntnisse und Wissenschaften aller Anhalt f\u00fcr die F\u00fchrung des Lebens und die Besorgung der Gesch\u00e4fte unm\u00f6glich. Somit wird durch die Naturwissenschaft auch die Festigkeit gegen alle Todesfurcht und die Unersch\u00fctterlichkeit gegen die Drohungen der Religion gewonnen. Ist die Unwissenheit \u00fcber die verborgenen Dinge beseitigt, so tritt die Ruhe des Gem\u00fcths ein, und wenn die Natur der Begierden und ihrer Arten eingesehen ist, so folgt die M\u00e4ssigung. Mit jener erw\u00e4hnten Regel der Erkenntniss und mit dem von ihr geleiteten Urtheile wird die Unterscheidung des Wahren und Falschen gewonnen. Kap. XX. (\u00a7 65.) So bleibt mir f\u00fcr unsre Besprechung nur noch ein wichtiger Gegenstand, die Freundschaft, deren M\u00f6glichkeit Ihr bestreitet, wenn die Lust das h\u00f6chste Gut sein soll. Epikur sagt von ihr, dass unter allen Dingen, welche die Weisheit f\u00fcr ein gl\u00fcckliches Leben beschaffen k\u00f6nne, keines gr\u00f6sser und fruchtbarer und angenehmer sei, als die Freundschaft; ein Ausspruch, den er nicht blos durch seine Studien, sondern noch mehr durch sein Leben, seine Thaten und Sitten best\u00e4tigt hat. Welch grosses Gut die Freundschaft ist, zeigen schon die Fabeln, welche die Alten erfunden haben. Obgleich seit dem entferntesten Alterthume dergleichen in grosser Zahl und Mannichfaltigkeit gedichtet worden sind, so finden sich von Theseus bis zu Orest doch kaum drei Freundschaftspaare darin. Welche gr\u00f6ssere Schaaren von Freunden, die in fester Liebe verbunden waren, hat dagegen Epikur in seinem einen und noch dazu kleinen Hause versammelt? Noch jetzt wiederholt sich dies bei den Epikureern. Doch ich komme zur Sache zur\u00fcck und brauche nicht von den Personen zu reden. (\u00a7 66.) Ich finde, dass die Unsrigen in dreifacher Weise die Freundschaft besprochen haben. Die Einen leugnen, dass die auf Freundschaft bez\u00fcgliche Lust ebenso wie die eigene Lust um ihrer selbst willen zu suchen sei. Damit scheint Manchem die Festigkeit der Freundschaft ersch\u00fcttert; indess halten Jene an ihrem Ausspruch fest und helfen, wie mir scheint, sich leicht aus dieser Schwierigkeit heraus, indem sie behaupten, dass, wie nach dem Fr\u00fcheren die Tugenden, so auch die Freundschaft nicht ohne Lust sein k\u00f6nne. Ein einsames Leben ohne Freunde sei voll Gefahren und Furcht, deshalb fordere schon die Vernunft, sich Freunde zu erwerben; deren Erlangung gebe der Seele Vertrauen, und sie lasse sich dann die Hoffnung auf zu gewinnende Lust nicht nehmen. (\u00a7 67.) So wie der Hass, der Neid, die Geringsch\u00e4tzung der Lust zuwider sind, so sind die Freundschaften nicht blos die treuesten Besch\u00fctzer der Lust, sondern bewirken auch die Lust, nicht blos bei den Freunden, sondern auch bei sich selbst; sie gew\u00e4hren nicht blos einen gegenw\u00e4rtigen Genuss, sondern st\u00e4rken auch durch die Hoffnung auf die folgenden und sp\u00e4tern Zeiten. Wenn man also in keiner Weise ohne Freundschaft ein angenehmes Leben sich sicher und dauerhaft erhalten kann, und wenn man die Freundschaft, ohne die Freunde wie uns selbst zu lieben, nicht bewahren kann, so wird gerade dies in der Freundschaft verwirklicht und die Freundschaft mit der Lust verkn\u00fcpft; denn man erfreut sich an der Lust der Freunde wie an seiner eigenen und leidet ebenso mit ihren Aengsten. (\u00a7 68.) Deshalb ist der Weise gegen seine Freunde ebenso gesinnt wie gegen sich selbst, und die M\u00fche, die er f\u00fcr seine eigene Lust, \u00fcbernehmen w\u00fcrde, \u00fcbernimmt er auch f\u00fcr die seiner Freunde. Alles, was von den Tugenden gesagt worden und von der Art, wie sie immer der Lust einwohnen, das gilt auch von der Freundschaft. Herrlich ist der Ausspruch Epikur\u2019s, der ohngef\u00e4hr so lautet: \u00bbDerselbe Grundsatz, welcher die Seele ermuthigt, kein Uebel als ein ewiges oder anhaltendes zu f\u00fcrchten, l\u00e4sst auch erkennen, dass w\u00e4hrend dieses Lebens der Schutz der Freundschaft der festeste ist.\u00ab (\u00a7 69.) Manche Epikureer verhalten sich indess etwas verzagter gegen Euer Schimpfen, aber sind doch ganz scharfsinnig. Sie f\u00fcrchten, dass alle Freundschaft hinkend werden w\u00fcrde, wenn man sie nur der eignen Lust wegen begehrte. Nach ihnen erfolgt zwar das Zusammentreten, die Verbindung und der Wille zu gemeinsamem Umgang zuerst um der eignen Lust willen; wenn aber der fortgesetzte Verkehr die Vertraulichkeit herbeigef\u00fchrt habe, so erwachse daraus eine solche Liebe, dass die Freunde, auch wenn die Freundschaft keinen Nutzen gew\u00e4hrt, sich um ihrer selbst willen lieben. Sie meinen, dass man durch Gewohnheit ja schon Pl\u00e4tze, heilige Orte, St\u00e4dte, Gymnasien, das Feld, die Hunde, die Pferde, die Spiele, die Leibes\u00fcbungen und Jagden lieb zu gewinnen pflege; um so viel mehr und mit mehr Recht k\u00f6nne dies also auch f\u00fcr den Umgang mit Menschen geschehen. (\u00a7 70.) Man behauptet sogar, dass die Weisen einen Bund geschlossen haben, die Freunde nicht weniger wie sich selbst zu lieben; dies halte ich nicht allein f\u00fcr m\u00f6glich, sondern es ist auch oft geschehen, und es erhellt, dass eine solche Verbindung das trefflichste Mittel f\u00fcr ein angenehmes Leben sein muss. Aus Alledem kann man abnehmen, dass das Wesen der Freundschaft nicht leidet, wenn das h\u00f6chste Gut in die Lust gesetzt wird, sondern dass ohnedem die Verbindungen der Freundschaft \u00fcberhaupt nicht angetroffen werden k\u00f6nnen. Kap. XXI. (\u00a7 71.) Wenn somit das, was ich gesagt, heller und klarer ist als die Sonne; wenn ich Alles als aus dem Quell der Natur gesch\u00f6pft dargelegt habe; wenn meine ganze Rede ihre Best\u00e4tigung durch die Sinne, als den unbestochenen und wahrhaften Zeugen, erh\u00e4lt; wenn die kleinen Kinder, ja selbst die stummen Thiere es unter F\u00fchrung ihrer Lehrerin Natur beinahe aussprechen, dass nur die Lust gl\u00fccklich mache und nur der Schmerz hart sei, und dieses ihr Urtheil weder verderbt noch bestochen ist, sollte man da dem Manne nicht Dank wissen, der diese Stimme der Natur gleichsam vernommen und so fest und ernst zusammengestellt hat, dass damit jeder Mensch mit gesunden Sinnen auf den Weg eines bes\u00e4nftigten, ruhigen, gelassenen, gl\u00fccklichen Lebens gelangen kann? Und wenn Du Epikur f\u00fcr wenig gelehrt h\u00e4ltst, so kommt es nur davon, dass ihm blos das als Gelehrsamkeit galt, was die Einrichtung des gl\u00fccklichen Lebens f\u00f6rdert. (\u00a7 72.) Sollte er etwa seine Zeit im Lesen der Dichter verbringen, wie ich und Triarius auf Deine Ermahnung thun, in denen nichts wahrhaft N\u00fctzliches, sondern nur ein kindisches Vergn\u00fcgen zu finden ist; oder sollte er sich wie Plato in der Erforschung der Musik, der Geometrie, der Zahlen und Gestirne aufreiben, die von falschen Anf\u00e4ngen ausgehn und deshalb nicht wahr sein k\u00f6nnen, und wenn sie es auch w\u00e4ren, doch zum angenehmeren, d.h. zum besseren Leben nichts beitragen w\u00fcrden; sollte er also diese K\u00fcnste treiben und daf\u00fcr jene grosse und m\u00fchsame, aber auch fruchtbringende Kunst des Lebens aufgeben? Sicherlich ist Epikur kein Ungelehrter, sondern jene sind es, welche meinen, dass sie das, was sie als Knaben schm\u00e4hlicher Weise zu lernen vers\u00e4umt haben, bis zu ihrem Greisenalter nachzuholen haben. \u2013 Torquatus schloss hier seine Rede mit den Worten: Ich habe meine Ansichten auseinandergesetzt, und zwar, um Dein Urtheil hier\u00fcber zu erfahren. Bisher hatte sich mir die Gelegenheit, dies ganz nach meinem Ermessen zu thun, niemals geboten.<\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<p><strong>Blindtext Generatoren:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Eine kleine Auswahl an ipsum Textgeneratoren<\/h3>\n\n\n\n<p>Textgenerator mit vielen M\u00f6glichkeiten, Sprachen und Texten:<br><a href=\"https:\/\/www.blindtextgenerator.com\/lorem-ipsum\">blindtextgenerator.com<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Textgenerator mit den M\u00f6glichkeiten, Abs\u00e4tze, W\u00f6rter, Zeichen, Listen:<br><a href=\"https:\/\/getlorem.com\/\">getlorem.com<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Einfacher Lorem Ipsum Text Generatoren:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/loremipsum.de\/index.html\">loremipsum.de<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/print-assistant.de\/tools\/prepress\/lorem-ipsum-generator\/\">print-assistant.de<\/a><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Generator f\u00fcr einen Bayrischen Ipsum:<br><a href=\"https:\/\/bavaria-ipsum.de\/\">bavaria-ipsum.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mehr Informationen<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Weitergehende Informationsseiten zum Lorem Ipsum:<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/mailchimp.com\/de\/resources\/lorem-ipsum-generator\/?gclsrc=aw.ds&amp;gad_source=1&amp;gad_campaignid=22770764285&amp;gclid=CjwKCAjw2vTFBhAuEiwAFaScwmuaMJS3d6_UA_mOzfdiRv6m4aLxqnQbKK2QWrHP9jn6BEk7RTuohBoCKo8QAvD_BwE\">mailchimp.com\/de\/resources\/lorem-ipsum-generator<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/loremipsum.de\/ueber_lorem_ipsum.html\">loremipsum.de\/ueber_lorem_ipsum<\/a><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Lorem ipsum als Platzhalter.<\/h3>\n\n\n\n<p><strong>Lorem ipsum<\/strong> ist ein h\u00e4ufig verwendeter Platzhaltertext, der zum Einsatz kommt, wenn der endg\u00fcltige Inhalt noch nicht vorliegt. Sein gleichm\u00e4\u00dfiger Zeilenfall sorgt daf\u00fcr, dass das Layout bereits einen professionellen Eindruck vermittelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Gestaltung von Printprodukten wie Brosch\u00fcren oder B\u00fcchern greifen Designer oft auf diesen Blindtext zur\u00fcck, um das sp\u00e4tere Erscheinungsbild realistisch darzustellen. Da der Text dem fertigen Produkt optisch sehr nahekommt, l\u00e4sst sich das Design bereits vorab dem Kunden pr\u00e4sentieren \u2013 auch ohne finalen Inhalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Entscheidend bei der Verwendung von Lorem ipsum ist, dass der Text glaubw\u00fcrdig wirkt. Andernfalls kann das Layout an Wirkung verlieren. Obwohl der Inhalt bedeutungslos ist, \u00e4hnelt er echtem Flie\u00dftext so stark, dass er als \u00fcberzeugende Simulation dient.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Bezeichnungen f\u00fcr Lorem ipsum sind:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Blindtext<\/li>\n\n\n\n<li>Dummytext<\/li>\n\n\n\n<li>Platzhaltertext<\/li>\n\n\n\n<li>Nachahmungstext<\/li>\n\n\n\n<li>F\u00fclltext<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Warum erscheint auf so vielen Webseiten der Text \u201eLorem ipsum\u201c?<\/h3>\n\n\n\n<p>Wer im Internet nach \u201eLorem ipsum\u201c sucht, st\u00f6\u00dft \u00fcberraschend auf Hunderttausende Treffer. Das liegt nicht daran, dass all diese Seiten sich mit dem Thema besch\u00e4ftigen \u2013 vielmehr taucht der Text oft unbeabsichtigt auf. Daf\u00fcr gibt es mehrere Gr\u00fcnde:<\/p>\n\n\n\n<p>\ud83d\udd39 <strong>Automatisch eingef\u00fcgt durch HTML-Editoren<\/strong> Viele Webdesign-Tools generieren Webseiten automatisch und f\u00fcgen dabei standardm\u00e4\u00dfig <em>Lorem ipsum<\/em> als Platzhaltertext ein. Manche Nutzer \u00fcbernehmen diese Vorlagen, ohne den Blindtext zu ersetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>\ud83d\udd39 <strong>Verwendung durch DTP-Programme<\/strong> \u00c4hnlich wie bei HTML-Editoren nutzen auch Desktop-Publishing-Programme <em>Lorem ipsum<\/em>, um Layouts zu simulieren. Wird eine Webseite mit solchen Tools erstellt, bleibt der Text oft versehentlich bestehen.<\/p>\n\n\n\n<p>\ud83d\udd39 <strong>Vorgefertigte Webseiten von Hosting-Anbietern<\/strong> Einige Webhoster bieten ihren Kunden Standardseiten oder Templates an, die bereits mit <em>Lorem ipsum<\/em> gef\u00fcllt sind \u2013 als Beispielinhalt oder zur Demonstration des Designs.<\/p>\n\n\n\n<p>\ud83d\udd39 <strong>Vergessene Platzhaltertexte<\/strong> Nicht selten wird der Blindtext schlicht vergessen: Er bleibt auf der Seite, wird nicht rechtzeitig ersetzt oder die Seite wurde bereits von Suchmaschinen indexiert, bevor die Inhalte aktualisiert wurden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Welche Alternativen gibt es zum Lorem Ipsum Generator?<\/h3>\n\n\n\n<p>Statt auf einen klassischen <em>Lorem Ipsum<\/em>-Generator zur\u00fcckzugreifen, stehen verschiedene Alternativen zur Verf\u00fcgung:<\/p>\n\n\n\n<p>\ud83d\udd39 <strong>Echte Inhalte verwenden<\/strong> Man kann direkt mit realem Text arbeiten \u2013 sei es durch eigenes Verfassen oder durch das Einf\u00fcgen bereits vorhandener Inhalte. Das sorgt f\u00fcr ein authentisches Layout, erfordert jedoch mehr Zeit und redaktionellen Aufwand.<\/p>\n\n\n\n<p>\ud83d\udd39 <strong>Individuellen Platzhaltertext erstellen<\/strong> Wer den sp\u00e4teren Inhalt simulieren m\u00f6chte, kann selbst einen Blindtext formulieren, der Ton und Stil des finalen Textes nachahmt. Diese Methode bietet mehr Kontrolle, ist aber ebenfalls zeitintensiver als die Nutzung vorgefertigter Generatoren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h3>\n\n\n\n<p>Ein <em>Lorem Ipsum<\/em>-Generator ist ein praktisches Hilfsmittel f\u00fcr alle, die rasch und unkompliziert Text ben\u00f6tigen, um Layouts zu testen. Er spart Zeit, erleichtert die Gestaltung und erm\u00f6glicht eine realistische Vorschau auf Struktur und Design. Viele Generatoren bieten zudem Anpassungsm\u00f6glichkeiten, sodass der erzeugte Text individuell auf das Projekt abgestimmt werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurzinfo zum schnellen Gebrauch Blindtext zum Kopieren: Das h\u00f6chste Gut und \u00dcbel, von Cicero Blindtext Generatoren: Eine kleine Auswahl an ipsum Textgeneratoren Textgenerator mit vielen M\u00f6glichkeiten, Sprachen und Texten:blindtextgenerator.com Textgenerator mit den M\u00f6glichkeiten, Abs\u00e4tze, W\u00f6rter, Zeichen, Listen:getlorem.com Einfacher Lorem Ipsum Text Generatoren: Generator f\u00fcr einen Bayrischen Ipsum:bavaria-ipsum.de Mehr Informationen Weitergehende Informationsseiten zum Lorem Ipsum: Lorem [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1698,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1785","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/demo.kk60.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1785","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/demo.kk60.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/demo.kk60.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/demo.kk60.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/demo.kk60.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1785"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/demo.kk60.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1785\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1791,"href":"https:\/\/demo.kk60.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1785\/revisions\/1791"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/demo.kk60.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1698"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/demo.kk60.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1785"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/demo.kk60.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1785"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/demo.kk60.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1785"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}